21.01.2026

Neuer Gebäude-Klimarechner

Abbildung: G-Kr.online

Der neue, kostenfrei verfügbare Gebäude-Klimarechner "G-Kr.online", Forschungsprojekt zur ökologischen Bewertung des Bestands, geht online.

Die Immobilienwirtschaft hat bis 2045 nur noch 19 Jahre Zeit, um ihr Denken, ihre Konventionen und vor allem ihr Handeln aufgrund des Klimawandels grundlegend zu ändern.

Der Gebäude-Klimarechner G-Kr.online unterstützt den bewussten Umgang mit dem Bestand als wertvolle Ressource. Dafür wird der ökologische Wert von Bestandsgebäuden transparent dargestellt und die Umweltauswirkungen verschiedener Sanierungsstrategien mit der Alternative eines Ersatz-Neubaus verglichen. Der Vergleich erfolgt auf Basis von CO2-Äquivalenten und des Ressourcenabdrucks, der die Menge und Art der verbauten Materialen erhebt.

Der kostenfrei verfügbare Online-Rechner gibt auf die Frage nach dem richtigen ökologischen Umgang mit Bestandsbauten einfach verständliche Antworten und ermöglicht Nutzern einen Einstieg in die komplexe Materie von Nachhaltigkeitsbewertungen unter Berücksichtigung der CO2-Emissionen im Lebenszyklus eines Gebäudes.

Gefördertes Forschungsprojekt

Der Gebäude-Klimarechner ist ein Forschungsprojekt, gefördert vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) im Programm "Zukunft Bau" und geleitet von den Umbauspezialisten Muck Petzet Architekten / Prof. Muck Petzet (Sustainable Design USI-ARC). Das Berechnungssystem und die Datengrundlagen wurden in Kooperation mit der Accademia di architettura-USI in Mendrisio, b+ee bauphysik + energieeffizienz und Madaster entwickelt und mit der Software von Scandens abgeglichen. Mitinitiatoren und Kooperationspartner sind der Bund Deutscher Architektinnen und Architekten BDA sowie die Greyfield Group. Den wissenschaftlichen Beirat bilden die UniversitätsprofessorInnen Elisabeth Endres (TU Braunschweig) und Thomas Auer (TU München) sowie Timm Sassen (Greyfield Group).

Die notwendige "Bauwende" hin zu zirkulären Bau- und Umbaumethoden hat bereits einen Wahrnehmungswandel bewirkt: Bestandsbauten werden heute als wesentliches Potenzial für eine dekarbonisierte Ökonomie verstanden. Nachdem in den letzten Jahrzehnten allein die Betriebsenergie von Gebäuden im Fokus der Effizienzbemühungen stand, setzt sich nun zunehmend die Erkenntnis durch, dass diese Effizienz oft mit einem hohen Aufwand an "grauer Energie" – besser: "grauen Emissionen" – verbunden ist, die in Gebäuden und Bauteilen gespeichert sind oder bei der Herstellung neuer Gebäude emittiert werden. Auch der Raubbau an Ressourcen und die gigantischen Müllberge, die mit Bautätigkeiten einhergehen, rücken immer mehr in das Bewusstsein.

Der Online-Rechner ist aus der Notwendigkeit entstanden, die Betrachtungsebene der Betriebsenergieeffizienz von Bestandsgebäuden mit den dafür notwendigen Herstellungsemissionen und Ressourcenverbräuchen zu verbinden und so einen ganzheitlichen Vergleich unterschiedlicher Handlungsoptionen zu ermöglichen. Auch wenn in letzter Zeit zunehmend Software- und Beratungslösungen auf den Markt gekommen sind, die vielschichtige Lebenszyklusanalysen beinhalten, sind diese komplex, kostenintensiv und lassen sich oft nur von Experten bedienen, auswerten und verstehen.

Das Forschungsprojekt hat sich dagegen zum Ziel gesetzt, mit wenigen Eingaben bereits eine erste Vorstellung von den ökologisch relevanten Grunddaten eines Gebäudes zu erhalten – und durch das Durchspielen unterschiedlicher Handlungsmöglichkeiten die verschiedenen Einflussfaktoren abschätzen zu lernen.

Die Entwicklung des Projektes war nur in breiter, transdisziplinärer Zusammenarbeit unterschiedlicher Partner möglich. Es verbindet anwendungsorientierte Grundlagenforschung (Impactberechnungen unterschiedlicher Interventionsstrategien, statistische Zuordnung von Energie- und Ressourcenverbräuchen) mit strategischen und politischen Zielsetzungen, insbesondere dem Deutschen Klimaschutzgesetz.

Zielsetzung und Praxisbezug

Dieses Forschungsprojekt wurde von praktizierenden Architekten, Projektentwicklern und Bauherren für die praktische Anwendung durch Architekten, Bauherren sowie die private und kommunale Gebäudewirtschaft konzipiert. Die Beteiligten des Projekts sind überzeugt, dass es notwendig ist, das Wissen und Know-how um Gesamt-Impacts von Bestandsmaßnahmen möglichst schnell und weit zu verbreiten – auch um der nach wie vor herrschenden Praxis von Abbruch und Ersatz von Gebäuden mit fundierten Datenargumenten begegnen zu können. Das "richtige Handeln" mit Bestandsbauten im Sinne des Klima- und Ressourcenschutzes ist berechenbar. Der Rechner kann im Sinne einer Ersteinschätzung wertvolle Hinweise zu Handlungsoptionen geben ohne eine detaillierte LCA-Berechnung zu ersetzen.

Ausblick

Aktuell wird zunächst eine Beta-Version des Rechners für Wohnungsbauten online gestellt. Mithilfe der eingegebenen Daten und des Online-Feedbacks soll der Rechner weiter verbessert werden. Auch die Ausweitung auf weitere Gebäudetypen wie beispielsweise Bildungs- und Verwaltungsbauten ist geplant.

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