29.10.2017

Lebendigkeit und Vielfalt

Das Einrichtungshaus Mathes verfügt über 2.500 qm Ausstellungsfläche und befindet sich im Herzen Aachens. Foto: Mathes

Mathes in Aachen zählt zu den besten Einrichtungshäusern in Deutschland. Vor über 100 Jahren als Papier- und Schreibwarengeschäft gegründet, hat es Thomas Mathes zu einem Unternehmen entwickelt, das heute nicht nur private Wohnträume erfüllt, sondern sich auch im Objektgeschäft einen Namen gemacht hat – und das, obwohl er eigentlich gar nicht in das Unternehmen seines Vaters einsteigen wollte. Warum alles ganz anders kam und was er heute anders macht, darüber sprach Bianca Schmidt mit Thomas Mathes.

 

IF: Herr Mathes, wie ich lesen konnte, waren Sie gar nicht so erpicht darauf, das Einrichtungshaus Ihres Vaters zu übernehmen. Warum und wieso kam es dann doch anders?
Thomas Mathes: Ich hatte in Hamburg eine Lehre in einem klassischen Einrichtungshaus mit begleitender Berufsakademie absolviert und fand das sehr langweilig. Jeden Tag ein "halber" Kunde, das sprach mich nicht an. Ich habe mich dann für ein Studium der Betriebswirtschaftslehre entschieden, wobei mir aber immer klar war, dass ich in den Vertrieb gehen wollte. Bei Vitra habe ich schließlich ein Trainee-Programm durchlaufen und dabei das Objektgeschäft gelernt. 1994 trat ich bei Mathes ein und installierte neben dem Wohnmöbelgeschäft das Objektgeschäft als zweite Säule im Unternehmen – und das mit großem Erfolg. Wir konnten bis zum Jahr 2000 unseren Umsatz nahezu verdreifachen. Heute beschäftigen wir in der Mathes KG rund 50 Mitarbeiter, davon sechs Innenarchitekten und 14 in der Verkaufsberatung.

IF: Bevor wir näher auf das Objektgeschäft zu sprechen kommen, möchte ich erst einmal bei den Wohnmöbeln bleiben. Was macht Ihr Unternehmen so besonders?
Mathes: Wir bieten sozusagen das komplette Spektrum des Einrichtens: Wohnmöbel, Leuchten, Textilien und Teppiche. Küchen vertreiben wir nicht selbst, arbeiten aber mit externen Partnern zusammen. Besonders ist dabei sicherlich das Spektrum unseres Angebots. Ich war und bin der
Auffassung, dass sich gutes Design nicht alleine über den Preis definiert. Deshalb finden Sie in unserem Haus sowohl das High-End-Design wie auch die Einsteigermarken. So gelingt es uns, immer Leben in unserer Ausstellung zu haben, die sich mit 2.500 qm im Herzen von Aachen befindet. Lebendigkeit ist mir sehr wichtig, und auf diese Weise habe ich die Firma im Bereich der Wohnmöbel auch weiterentwickelt. Zudem bieten wir eine hohe Leidenschaft für Kreativität, die eben durchaus auch budgetorientiert sein kann. Ein guter Service von Anfang an bis hin zu einem eigenen Montage-Team ist dabei schon selbstverständlich.

IF: Nun kommen wir aber zum Objektgeschäft.
Mathes: Das ist in der Tat meine Leidenschaft. Gerade das Büro-Geschäft befindet sich in einer Revolution, deren Basis natürlich in der Digitalisierung zu sehen ist. Vor zehn Jahren haben wir uns über einen Tisch und einen Stuhl unterhalten. Natürlich hat das Produkt auch heute noch eine hohe Relevanz, aber es geht doch stark in den konzeptionellen Bereich. Man versucht, die Third-Place-Strategie, dass eben die Leute lieber im Café arbeiten als im Büro, in die Unternehmen hineinzutragen. Für uns ist das sehr vorteilhaft, denn durch unsere gewachsene Wohnmöbelstruktur sind wir in den Konzepten und dem Produktmix sehr variabel, ohne dabei das Budget zu vernachlässigen. Alles in allem halte ich den Büro-Bereich für einen gewaltigen Zukunftsmarkt, der wahnsinnig an Bedeutung gewonnen hat und sich in den kommenden drei bis fünf Jahren nochmals massiv verändern wird. Und das ist jetzt keine Sprücheklopferei. Vielmehr wird sich der sogenannte War of Talents noch verschärfen. Heute setzen sich die 25- bis 30-Jährigen nicht mehr in jedes Ambiente. Hier herrscht ein brutales Ausschlussprinzip. Da können Sie bezahlen, was Sie wollen.


IF: Betrifft das nur die großen Unternehmen oder müssen sich auch mittelständische Unternehmen umstellen?
Mathes: Es betrifft all die Unternehmen, in denen Intelligenz gefragt ist, also auch Mittelständler. Große Unternehmen und Konzerne setzen es mit großem Druck, teilweise mit viel Aufwand und hoher Professionalität um. Aber wir stellen fest, dass auch immer mehr mittelständische Unternehmen anfangen, sich mit der Thematik auseinanderzusetzen. Die Sensibilität ist extrem gestiegen. Das stellen wir übrigens auch an unseren Gesprächspartnern fest. Früher saßen wir mit dem Einkauf zusammen, heute sprechen wir mit dem CEO oder CFO.


IF: Sie sagten es ja bereits selbst. Bei den heutigen Büroausstattungen geht es nicht mehr rein um die Ausstattung, sondern auch um die Unternehmenskultur. Wie gehen Sie mit dieser Herausforderung um?
Mathes: Als Objekteinrichter muss man aufpassen, nicht in die Rolle eines Unternehmensberaters zu kommen. Wenn es tatsächlich um die strategische Beratung geht, nehmen wir uns zurück und verweisen an Externe. Hier arbeiten wir beispielsweise mit einer exzellenten Partnerin von der RWTH Aachen zusammen. Wir setzen dann die Ergebnisse, die in dieser Zusammenarbeit entstanden sind, in sogenannten Nutzer-Workshops in Workflow und Stellplan um.

IF: Was macht denn nun ein gutes Büro aus?
Mathes: Eigentlich gibt es zwei Faktoren, die berücksichtig werden müssen. Zum einen ist es, ganz einfach zu wissen, wie der Workflow ist und wann er effizient ist. Das bedeutet übrigens nicht immer Open Space. Es geht darum, Menschen miteinander zu vernetzen. Das heißt aber nicht, dass sie sich nicht auch einmal zurückziehen dürfen. Das ist eben die Balance, die Sie heute finden müssen. Dieser gut funktionierende und effiziente Workflow, den wir in Workshops mit den Mitarbeitern ausgearbeitet haben, muss dann in einen guten Stellplan übersetzt werden. Das ist ein sehr sensibles Thema, und es müssen auch die Aspekte Licht und Akustik berücksichtigt werden. Es gilt einfach, ein paar Grundregeln einzuhalten. Dazu brauchen Sie dann nicht nur einen guten Innenarchitekten, sondern, und ich verwende hier bewusst das angestaubte Wort, einen guten Bürofachplaner, der sich damit auskennt, wie ein Arbeitsplatz funktioniert. Der zweite Aspekt ist der richtige Look & Feel, der zum jeweiligen Unternehmen passen muss. Man kann nicht einfach
etwas überstülpen. Es muss authentisch sein. Der hohe Anspruch ist doch der, dass Sie durch ein Unternehmen gehen und den Geist spüren. Wenn ein Unternehmer eine klassische Form möchte, dann ist es viel besser, diesem Wunsch zu entsprechen. Er bekommt ja auch gar nicht die entsprechenden Mitarbeiter. Sie können das Konzept an der ein oder anderen Stelle öffnen, aber am Ende muss es zum Unternehmen und zu den Mitarbeitern passen. Es muss von innen heraus stimmig sein.

IF: Kommen wir auf eine andere Besonderheit Ihres Unternehmens. Während viele Einrichtungshändler bis heute noch im Internet eine Konkurrenz sehen, betreiben Sie seit 2011 mit www.design-bestseller.de einen eigenen Internet-Shop. Sie haben quasi den Stier bei den Hörnern gepackt.
Mathes: Das stimmt. Ich bin über einen Projektkunden in diese Welt gekommen und hatte das Glück, mit Martin Möller einen echten Profi auf diesem Gebiet an meine Seite zu bekommen, mit dem ich die Mathes Design GmbH gegründet habe. Wir haben hier vollkommen getrennt von unserem angestammten Geschäft agiert, denn ich bin der Überzeugung, wenn Sie die Offline-Leute Online machen lassen, dann geht das schief. Sie brauchen hier einen ganz anderen Typ Mensch, was ich übrigens sehr belebend finde. Heute beschäftigen wir im Online-Bereich über 30 Leute und verzeichnen ein enormes Wachstum. Aber eines muss ich auch deutlich sagen: Einmal eben so einen Online-Shop zu machen, hiervon rate ich dringend ab. Es braucht eine ganz andere Denke als im stationären Einrichtungshandel, und das läuft auch nicht von selbst. Das Thema ist sehr komplex, und man kann sehr schnell sehr viel Geld vernichten.

IF: Was macht Ihren Online-Shop aus?
Mathes: Wir sind nicht nur ein anonymer Online-Shop, sondern bei uns können Sie anrufen und sich intensiv beraten lassen. Unsere Zukunftsvision ist es, zu einer Einrichtungsplattform zu werden, die Looks und Kreativität anbietet.


IF: Es ist also keine Konkurrenz zu Ihrem Einrichtungshaus?
Mathes: Ganz und gar nicht, sondern vielmehr eine Ergänzung. Ich bin auch der festen Überzeugung, dass es immer einen stationären Handel geben wird, der allerdings in seiner Qualität sehr gut sein muss. Langfristig aber wird es eine Wechselwirkung zwischen den beiden Kanälen
geben müssen. Und hier sind wir gerade dabei, das zusammenzuführen. Übrigens auch räumlich, weil wir glauben, dass dies eine neue Lebendigkeit in das Unternehmen bringt.


IF: Herr Mathes, eine Frage zum Abschluss. Sie sind Mitglied in der designalliance. Worin liegen die Vorteile?
Mathes: Den Austausch zwischen Strukturen, die sich sehr gleichgesinnt sind, sehe ich als klaren Vorteil. Zudem arbeiten wir auf der Marketing-Ebene zusammen und treten gemeinsam mit der Industrie in einen Dialog, so dass hieraus gute Dinge entstehen.


IF: Herr Mathes, vielen Dank für das Gespräch!


www.mathes.de | www.design-bestseller.de


Das Interview ist in InteriorFashion 5|2017 erschienen.

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