09.03.2026
Die sanierte Jung-Gründervilla mit Teilneubau in Schalksmühle, einstiger Wohnsitz des Firmengründers Albrecht Jung, findet heute als Think Tank und Begegnungs- und Dienstleistungszentrum der Marke Jung eine neue Bestimmung. Sowohl bei der Sanierung als auch dem Betrieb spielen die Themen Verantwortung, Haltung und Effizienz eine wichtige Rolle. Mineralische Innenfarben von Keim unterstützen das Gestaltungskonzept und tragen zu einem gesunden Raumklima bei.
Der einstige Wohnsitz des Firmengründers Albrecht Jung in Schalksmühle findet als Think Tank, Begegnungs- und Dienstleistungszentrum der Marke Jung eine neue Bestimmung. Die Sanierung der historischen Villa aus dem Jahr 1928 und die Erweiterung um einen modernen Pavillon wurden von NGA Nehse & Gerstein Architekten BDA aus Hannover als Sieger eines offenen Architekturwettbewerbs realisiert. Die Jung-Gründervilla ist kein Showroom. Sie ist ein multifunktionales Büro-, Veranstaltungs- und Wohngebäude, bei dessen Sanierung und Betrieb die Themen Verantwortung, Haltung und Effizienz eine wichtige Rolle spielen.
2025 wurde die Villa von der Jury des German Design Award mit der Auszeichnung "Winner" in der Kategorie "Excellent Architecture" geehrt. Die Jury hob besonders die gelungene Verbindung von historischer Substanz und modernem Design hervor.
Das neue Gebäudekonzept von Philipp Nehse und Patrick Gerstein stärkt die Identität des Ortes, indem es die bestehende Villa freistellt und um einen modernen, in das Gelände eingebetteten Anbau ergänzt. Es werden neue Blickbezüge und Perspektiven generiert und die Gartenanlage aufgewertet. Die Gebäudetechnik des Ensembles setzt auf regenerative Energien, auf einen verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen und – anders als man es von einem Hersteller für Gebäudetechnik vermuten könnte – auf einen auf das Notwendige reduzierten Technikeinsatz.
Die Villa im typischen Gründerzeitstil wurde im Jahre 1928 von dem Architekten Fritz Stutzkeitski neben der damaligen Jung-Fertigung, die sich bislang in einem Gewächshaus befand, errichtet. Zeitgleich fand der Bau einer neuen Produktionsstätte am Fuße der Villa statt. Nachdem dieser fertiggestellt war, zog die Produktion in den Neubau und das Gewächshaus neben der Villa wurde rückgebaut. Seither thronte die Villa herrschaftlich auf einem Hügel über der Fertigungsstätte und diente der Familie Jung über drei Generationen als privater Wohnsitz. Die Produktion und Verwaltung von Jung wurden Mitte der 1970er-Jahre einige Kilometer entfernt angesiedelt, die Villa blieb aber noch bis ins Jahr 2015 der Familienwohnsitz. Statt eines Verkaufs entschied sich Harald Jung mit den Gesellschaftern dafür, dem Gebäude zukünftig eine neue und moderne Nutzung zu geben, die auch ohne direkte räumliche Nachbarschaft zur Produktionsstätte eng mit dem Unternehmen Jung verbunden sein sollte. Es entstand die Idee, einen neuen Ort der Kommunikation, des Miteinanders, der Begegnung zu schaffen.
Im Rahmen der Sanierung wurde die Villa respektvoll für die zukünftige Nutzung umgebaut und größtenteils wieder in ihren historischen Originalzustand zurückversetzt. Veränderungen der letzten Jahrzehnte wurden rückgebaut und die ursprüngliche Fensteraufteilung erneut hergestellt. Durch die Hanglage konnte das ehemalige Kellergeschoss zum vollwertigen Stockwerk ausgebaut werden, in dem nun erstaunlich weitläufige Arbeitsräume angesiedelt sind. Die Innenarchitektur des Erdgeschosses wirkt mit hellen Holzböden, einem abgestimmten Farbkonzept und schlicht reduzierten Details sowie flächigen Möbeleinbauten zeitlos. Hier sind vor allem neue Empfangs- und Besprechungsräume angeordnet. Im Obergeschoss der Villa befinden sich weitere Büroräume, während im Dachgeschoss zwei Apartments angeordnet sind.
Eine Unterfangung des Kellergeschosses und das partielle Ergänzen eines neuen Geschosses ermöglichen den nahtlosen Anschluss des Neubaus an die Villa. Die Bodenplatte des Anbaus liegt fünfeinhalb Meter unter dem Erdgeschossniveau der Villa. Der schlichte Neubau, in dem sich die sogenannte Schalterhalle, ein großer Raum zur freien Nutzung, befindet, ist über eine skulpturale, mehrfach gekrümmte Stahltreppe mit dem Altbau verbunden. Der Neubau hebt sich gestalterisch mit Kassettendach, Sichtbeton und Glas deutlich von der Villa ab. Die Raumatmosphäre in der Schalterhalle wird maßgeblich durch die gestalterische Kraft von Konstruktion und Material bestimmt – lediglich eine große Stütze in Form einer umgedrehten Pyramide an der Ostseite des Veranstaltungsraums wirkt beliebig. Aber dem ist nicht so, sie trägt das schwere Betondach und folgt in ihrer Form dem Kraftverlauf. Den Planern von NGA gelingt es, mit möglichst wenigen Mitteln und einer sehr klaren Architektursprache ein Gebäudeensemble zu schaffen, das nun ganz im Stil von Jung sowohl die Vergangenheit als auch die Zukunft im Blick hat.
Dass ein Hersteller wie Jung modernste Technik verbaut, ist nicht verwunderlich. Natürlich ist die Gebäudetechnik smart und von Automatismen unterstützt, natürlich setzt das Beleuchtungskonzept auf Szenarien und Sensoren, natürlich sind Störmeldungen der Sanitärhebeanlage lokal und auch aus der Ferne per Smartphone empfangbar – um nur einige Beispiele aufzuzählen. Im Erdgeschoss der Villa mit den öffentlichen Funktionen kamen für Schalter, Steckdosen, Taster und Raumkontroller Farben aus der Reihe "Les Couleurs Le Corbusier" zum Einsatz. Passend dazu wurden die Räume mit den mineralischen Innenfarben von Keim in Grün-, Grau und Weißtönen gestaltet. Die Ansprüche an Ästhetik und ein gesundes Raumklima werden gleichermaßen erfüllt.
Der Umgang mit Technik ist für Jung – vielleicht noch mehr als für andere Bauherren – immer auch eine emotionale Frage der Haltung. So war es für alle Beteiligten selbstverständlich, dass bei der Komplettsanierung und dem Teilneubau der verantwortungsvolle Umgang mit Ressourcen sowohl beim Bau als auch im späteren Betrieb eine elementare Rolle spielt. Dies umfasst, dass Technik bewusst, sinnvoll und nur dort eingesetzt wird, wo sie notwendig ist. Jens Stoll, Leiter Produktmanagement bei Jung und als Bauherrenvertreter verantwortlich für die technische Ausstattung der Jung-Gründervilla, erklärt: "Es ging nie darum, eine Leistungsschau des eigenen Produktportfolios abzubilden, sondern die langfristig beste und nachhaltigste Lösung zu finden." Über vorprogrammierte Szenarien passt sich die Gebäudetechnik dem Bedarf an – als Veranstaltungsort, als Bürogebäude, als Wohnobjekt. Mal wird das Gebäude ein Ort der Konzentration und Ruhe sein, mal wird es von Leben erfüllt sein: Ein Ort der Begegnung, ein Kommunikationshub und Think Tank.
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