01.05.2021

Virtueller Rundgang durch 100 Jahre Innenarchitektur

In der virtuellen Villa Findeisen ist jedem Jahrzehnt ein Raum gewidmet und im zeittypischen Stil gestaltet. Das fiktive Büro des Firmengründers steht zum Beispiel für die 1920er Jahre. | Fotos: Findeisen

100 Jahre Innenarchitektur und Design zeigt der Nadelvlieshersteller Findeisen anlässlich seines Firmenjubiläums in einer virtuellen Ausstellung. Die "Villa Findeisen" auf dem Werksgelände war einst von der Gründerfamilie bewohnt, wird nun zum Kindergarten umgebaut und dient der Ausstellung als Rahmen. Auch über das Jubiläumsjahr hinaus soll das 3D-Projekt als virtueller Showroom genutzt werden.

Im Innern erwarten den Besucher dagegen verschiedene Stile und Raumtypen, vom mondänen Art-Deco-Salon über das großzügige Hotelfoyer bis hin zum neofuturistischen Restaurant. Marketingleiterin Rose-Marie Riedl sieht darin den besonderen Reiz des Projektes: "Anders als bei einem Messestand oder realer Showroom gibt es in der virtuellen Villa Findeisen keinerlei Einschränkungen hinsichtlich der räumlichen Dimension oder funktioneller Notwendigkeiten."

Dabei ist jeder Raum in sich stimmig und dank moderner 3D-Technologie bis in die relevanten Details hinein ausgearbeitet. Dabei soll die Ausstellung aber nicht museal wirken, meint Rose-Marie Riedl, "sondern durch die freie Interpretation quasi ein gestalterisches Best-of der jeweiligen Dekade sein."

Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei naturgemäß auf der Gestaltung der Böden. Das Kreativteam konnte dafür auf Hunderte von Farben aus den aktuellen Nadelvlies-Kollektionen zurückgreifen. Diese sind in den verschiedensten Formen und Verlegevarianten in die Räume eingebunden. Aber auch an den Wänden findet sich Nadelvlies in verschiedenen Varianten, zum Beispiel als Kunstwerk des Kreativprojekts F3, als Akustikpanels oder als vollflächige Wandbekleidung.

Die technische und gestalterische Umsetzung erfolgte durch das Münchner Konstantin Landuris Studio. "Die 3D-Technologie hat in den letzten Monaten riesige Entwicklungssprünge gemacht", erklärt Studioinhaber Landuris. "Der Kreativität und Phantasie sind praktisch keine Grenzen mehr gesetzt. Jetzt ist es eher die Herausforderung, sich nicht in den vielen Ideen zu verlieren."

Für Rose-Marie Riedl ist die virtuelle Ausstellung auch über das Jubiläumsjahr hinaus ein wichtiger Baustein der Firmendarstellung: "Die letzten Monate haben den Trend zur online-basierten Präsentationen extrem forciert und diese werden sicherlich auch in der Zeit nach Corona eine große Rolle spielen. Hinzu kommt der ständige Bedarf nach ansprechendem Bildmaterial insbesondere für die sozialen Medien. Mit diesem Projekt sind wir für die digitale Zukunft bestens gerüstet."

Ab Mai kann jeden Monat ein neuer Raum der Villa Findeisen virtuell erkundet werden. Mit dem angegliederten Bodenplaner können einige der gezeigten Verlegungen auch direkt im eigenen Raum anhand eines Fotos simuliert werden. Ergänzend gibt es in Form von Video- und Textbeiträgen sowie weiteren interaktiven Elementen umfangreiche Informationen zu den Produkten und der Geschichte des Unternehmens.

www.nadelvlies.de/villa-findeisen

Zur Firmenhistorie: Vom Recyclingbetrieb zur Kreislaufwirtschaft

Ausgangspunkt für diese Erfolgsgeschichte ist die schlechte Versorgungslage nach dem ersten Weltkrieg: Textilien sind rar und teuer. Deshalb gründen Bruno Findeisen und Adolf Weber im Jahr 1921 in Ettlingen den Textilbetrieb Findeisen & Weber, der sich mit dem Handel und der Sortierung von Textilabfällen und gebrauchten Textilien beschäftigt.

1930 scheidet der Gesellschafter Weber aus dem Unternehmen aus. Dieses prosperiert nach den schweren Jahren der Weltwirtschaftskrise massiv. Auch die totale Zerstörung der Firmengebäude durch einen Bombenangriff 1942 führen nur kurzzeitig zur Unterbrechung der Arbeit.

Nach dem Tod des Firmengründers 1962 übernimmt sein Sohn Horst Findeisen die Unternehmensführung. Er stellt den Handels- und Sortierbetrieb auf einen verarbeitenden Fabrikbetrieb um. In ihm werden – zunächst auf alten, gebrauchten Maschinen – Baumwoll- Textilabfälle gerissen und droussiert, d.h. zu Einzel-Fasern aufgelöst. Ein weiteres Standbein ist die Aufbereitung von Baumwoll-Lumpen, die als Putzlappen an Maschinenfabriken verkauft werden. In den Jahren 1965 bis 1970 weichen die behelfsmäßigen Bauten modernen Fabrik- und Bürogebäuden.

Gleichzeitig sucht Horst Findeisen nach alternativen Nutzungsmöglichkeiten für den zwischenzeitlich erneuerten Maschinenpark. Diese findet er in der Produktion der damals noch neuartigen Nadelvlies-Bodenbeläge.

Durch den Wegfall der klassischen Spinn- und Webprozesse liegen bei der Nadelvlies-Produktion die Herstellkosten deutlich geringer als zum Beispiel beim Tufting-Verfahren. Die damit einhergehenden niedrigeren Preise sorgen in Verbindung mit der hohen Funktionalität schnell für eine große Verbreitung von Nadelvlies. Entsprechend expandiert auch das 1979 in Findeisen GmbH umbenannte Unternehmen.

Mittlerweile stellt die dritte und vierte Generation der Gründerfamilie die Gesellschafter der  GmbH. Die operativen Geschäfte werden von den Geschäftsführern Stephan Naacke (Marketing und Vertrieb) und Thomas Bernhardt (Produktion, Verwaltung und Personal) verantwortet. Mit 75 Mitarbeitern produziert das Familienunternehmen jährlich rund 2,5 Mio. Quadratmeter Nadelvlies.

Innovationen für die Kreislaufwirtschaft

Mit "Finett Dimension" bringt das Unternehmen 2015 den ersten Nadelvlies- Bodenbelag auf den Markt, dessen Nutzschicht überwiegend aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt wird. "Finett Solid modular" ist 2020 die weltweit erste wiederaufnehmbare Nadelvlies-Bahnenware aus Polyamid. Soeben wurde diese Kollektion mit dem Materialpreis 2020 ausgezeichnet.

In den nächsten Jahren steht die Entwicklung hin zum vollständig recyclebaren Nadelvlies-Bodenbelag an. Damit schließt sich dann auch der Kreis zu den Anfängen des Unternehmens als Recycling-Betrieb.

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