19.02.2021

Pure Talents Contest 2021

Fotos und Abbildungen: imm cologne

Die Gewinner des Nachwuchs-Designwettbewerbs der imm cologne repräsentieren eine höchst kreative neue Designergeneration, die dringend eine Bühne braucht.

Überraschend poetisch, spielerisch und leichtfüßig erscheinen die Entwürfe der jungen Designer, die von der Jury des Pure Talents Contest 2021 als die besten aus den 26 Nominierten ausgewählt wurden: Ein Lichtobjekt mit starker emotionaler Wirkung, eine als Leselicht fungierende Buchstütze, ein ultraleichter Holzstuhl und ein Imbisswagen im Baukasten-Look sind die Gewinner der 18. Ausgabe des internationalen Pure Talents Contest der imm cologne. In einer schwierigen Zeit machen sie Lust aufs Einrichten und auf die neuen Designideen für die Branche.

Es war freilich kein "normaler" Pure Talents Contest, denn der Auslober und Veranstalter, die Koelnmesse, musste die üblicherweise im Januar stattfindende internationale Einrichtungsmesse imm cologne pandemiebedingt absagen. Damit entfiel auch die Präsentationsplattform auf der Messe, wo sich jedes Jahr Branchenplayer, Fachwelt und Designinteressierte aus aller Welt versammeln, um sich einen Marktüberblick zu verschaffen und die Neuheiten der Saison vorzustellen und zu entdecken. Normalerweise bietet die imm cologne damit für die Nachwuchsdesigner die ideale Plattform, um sich in einem professionellen und attraktiven Umfeld der Öffentlichkeit und potenziellen Kunden zu präsentieren.

Die imm cologne hat daher auf digitale Präsentationsformen zurückgegriffen und stellt die Nominierten und die Gewinner nicht nur auf ihrer Website vor, sondern verkündete die Gewinner auch während eines Online-Presseevents am 9. Februar, auf dem die Preisträger durch imm cologne-Direktorin Claire Steinbrück und Jury-Mitglied Sebastian Herkner bekanntgegeben wurden.

Fachjury lobt ausgereifte und sinnliche Produktentwürfe

Insgesamt 862 Produkteinreichungen aus 59 Nationen sichtete im Oktober 2020 die diesjährige Jury des Pure Talents Contest, bestehend aus Designerin Eva Marguerre (Designstudio Besau-Marguerre), Jennifer Reaves, Geschäftsführerin der internationalen Designmesse Blickfang, Designer Sebastian Herkner aus Offenbach und Norbert Ruf, Creative Director und Geschäftsführer Thonet GmbH. Die 26 nominierten Entwürfe repräsentieren die Produktbereiche Möbel, Bodenbeläge, Tapeten und Textilien, Leuchten, Smart Home, Wohnaccessoires und Küche.

Das Fazit der Jury: Die diesjährigen Entwürfe zeichneten sich vor allem durch hohe Produktreife aus sowie durch eine sinnlich-ansprechende und überaus sympathische Ausstrahlung. "Bei der Jurierung sollte neben der Idee, der Komposition und der Designqualität auch die Fähigkeit von Designern gewürdigt werden, kommerziell funktionierende Produkte zu gestalten", so Jennifer Reaves. Viele der Einreichungen zur aktuellen Ausgabe des Pure Talents Contest ließen kaum Rückschlüsse auf ihre oftmals noch studentische Herkunft zu.

Rahmendes Licht: ein emotionaler Türöffner

So auch bei der erstplatzierten "Maya Collection" der Brasilianerin Luiza Guidi. Sie bildet eine Gruppe von Lichtskulpturen, die einer ansonsten flachen Wand eine neue Dimension verleihen. Wie beim Öffnen eines Fensters lässt sich der LED-ausgekleidete Rahmen von der Wand aufschwenken, wodurch auf ganz selbsterklärende Weise ein sinnliches Licht- und Schattenspiel entsteht. Mit jeder Bewegung des Rahmens verändert sich auch das Licht im Raum. "Uns hat hier besonders das sinnliche Spiel mit Licht berührt, und zwar sowohl als Objektskulptur wie auch als funktionales Produkt. Die Simplicity, mit der Licht so sinnlich in Szene gesetzt werden kann, hat uns begeistert", begründet Jurymitglied Jennifer Reaves die Entscheidung für den Siegerbeitrag.

Licht an: Eine erleuchtete Buchstütze

Auch bei dem Entwurf "Elina" des Deutschen Dirk Vosding, der auf Platz 2 des Wettbewerbs landete, geht es um die Interaktion mit Licht und seiner Veränderbarkeit. Im geschlossenen Zustand ist "Elina" eine Buchstütze; wird sie langsam herausgezogen, beginnt die Glasscheibe im Inneren zu leuchten und wirft mehr und mehr Licht auf die umliegenden Bücher. Ganz ausgezogen lässt sich die verstellbare Leuchtscheibe dann als Leselicht ausrichten. "Der Entwurf erinnert an altbekannte Klemmleuchten fürs Bücherregel, ist aber ungleich charmanter – ein einfaches, kleines, feines Produkt, das genauso gut als Tischleuchte oder als Buchstütze auf dem Sideboard oder dem Nachttisch stehen kann", erklärt die Designerin Eva Marguerre die Juryentscheidung.

Eine Frage des Leichtgewichts: Einladung zum Probesitzen!

Begeistert zeigte sich die Jury auch vom Stuhl "Olivia chair" des Finnen Tatu Laakso, dem drittplatzierten Siegerentwurf beim Pure Talents Contest 2021. Das Design erforscht die Ausgewogenheit zwischen Leichtigkeit, Stabilität und Ergonomie beim Werkstoff Formsperrholz, was beim Olivia chair zu einer leichten und dennoch stabilen Struktur führt. "Uns hat das schöne Modell durch sein Spiel mit Formsperrholz begeistert und durch seine Formensprache, die sinnlich und leicht ist und Referenzen zum finnischen Design zeigt. Ein sehr souveräner Entwurf für ein Semesterprojekt, dessen Qualität selbst für Diplomarbeiten nicht selbstverständlich ist", findet Designer Sebastian Herkner.

Werkzeugkasten zum Kochen: Küche anders erlebbar gemacht

In der LivingKitchen Selection des Pure Talents Contest 2021, die alle zwei Jahre anlässlich des parallel zur imm cologne stattfindenden Küchenevents LivingKitchen ausgelobt wird, überzeugte die "Guerilla Kitchen" des Deutschen Erik Mantz-Hansen die Jury. Sie ist als Werkzeug für die Zubereitung von Street Food im urbanen Raum konzipiert, die mit ihrer Kompaktheit Mobilität in den engen Räumen der Stadt erlaubt sowie das Entfalten vielfältiger Nutzungsoptionen auf kleiner Fläche. Durch individuell zusammenstellbare Module kann auf jede Anforderung flexibel eingegangen und eine große Vielfalt an Gerichten zubereitet werden. "Hier passt der Entwurf perfekt zum Anspruch der LivingKitchen, Ernährung und Kochen wirklich zu leben", findet Norbert Ruf. "Mit einer sehr funktionalen, fast werkzeugorientierten Gestaltsprache umgesetzt, wirkt das Produkt auch sehr robust. Man kann sich vorstellen, dass es eine lange Zeit als Funktionsobjekt in Gebrauch sein kann. Zudem trägt der sympathische Entwurf, der mit seinen unterschiedlichen Funktionalitäten sehr gut durchdacht ist, das Thema Werkzeug für die Küche und zum Kochen auf eine gute Art und Weise in den öffentlichen Raum."

Jungen Designern fehlt die Bühne

Bei der Preisverleihung durch der imm cologne wurde auch die prekäre Situation zur Sprache gebracht, in der sich viele junge Designer zurzeit befinden. Ihnen fehle es an Plattformen, sich und ihre Arbeit zu präsentieren und sich mit der Business-Welt zu vernetzen, erläuterte Sebastian Herkner die Konsequenzen, die sich aus der Absage der großen Messen wie der imm cologne ergebe. Auch für die Wettbewerbsteilnehmer sei die Promotion durch die Presse daher in dieser schwierigen Zeit besonders wichtig.

Weitere Informationen zu den Gewinnern und allen Nominierten des Pure Talents Contest 2021 finden Sie hier.

www.imm-cologne.de

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