09.07.2019

Herausragende Leistungen

Foto: Raumprobe

16 Preisträger durfte die Jury des Materialpreises auszeichnen, die mit ihrer innovativen Leistung überzeugen konnten. Die Erstplatzierungen der Kategorien "Anwendung", "Material", "Materialeinsatz" und "Publikums-Voting" wurden bereits in der gedruckten Ausgabe der Interior Fashion präsentiert – nun folgen die Zweit- und Drittplatzierungen, sowie die Sonderpreise der Kategorie "Anerkennung Studie und Vision".

Kategorie Anwendung

2. Auszeichnung Anwendung: Korkenzieher Haus von Rundzwei Architekten

Projektbeschreibung:

Das ungewöhnliche Haus in Berlin-Staaken, geplant von Rundzwei Architekten, fand im Sommer 2018 seinen Bauabschluss. Auf anschauliche Weise zeigt dieses Haus in Berlin, dass natürliches Wohnen und moderne Architektur durchaus zusammenpassen. Durch den Einsatz des rauen Stampfbetons und der Korkfassade, kombiniert mit großen Fensterflächen und viel Holz im Inneren, sowie die Anordnung der Teilebenen entsteht ein Haus, das ultramodern und gleichzeitig leicht wirkt. Dank des konsequent verfolgten Cradle-to-Cradle-Prinzips ist es zudem absolut nachhaltig und näher an der Natur als manch klassischer Bau. 

Materialien:
Kork von Amorim Islamentos S.A. Via Ziro GmbH Vertrieb Deutschland | Stampfbeton von Caerus Construction | Holz der Zimmerei Johannsen

Begründung der Jury:
"Es ist ein Abfallprodukt aus der Flaschenkorkproduktion, das diesem ikonischen Viergiebelhaus zu seiner impulsgebenden Vorreiterrolle verhilft. Die Fassadenplatten aus Korkgranulat verleihen dem Monolith nicht nur eine höchst ästhetische Atmosphäre, sondern auszeichnungswürdige Attribute im Sinne der Nachhaltigkeit: Sichtoberfläche, Wärmedämmung. Witterungs- & Schimmelresistenz. 100% Natur."

3. Auszeichnung Anwendung: Neues Paradies von Johannes Götz und Guido Lohmann

Projektbeschreibung:

Ausgangspunkt der Arbeit ist die Bewunderung des Reichtums an Ausdruck der Häuser, die ehemals dieses Viertel geprägt haben. Diese Fülle an Gegenständlichem führt vor, was in der zeitgenössischen Architektur oft so schmerzlich vermisst wird. Die Frage war also, wie mit den Mitteln unserer Zeit diese sinnliche Fülle eigenständig ohne allzu viel Erfindung von gänzlich Neuem wieder hervorgebracht werden kann. Bei dieser schwierigen Gradwanderung ist uns ein Ornament am Haus "goldene Waage" aufgefallen, welches uns an den Pallazzo Diamanti in Ferrara erinnerte und uns als Inspiration für die Facettierung der Obergeschosse diente. Der ornamental-expressionistische Ansatz wird hier zu einem tektonischen Thema erweitert. In Kombination mit den vorspringenden Obergeschossen und dem "weichen", fast textil anmutenden Schieferkleid bekommt das Haus etwas spielerisch Leichtes.

Das Erdgeschoss ist dagegen ganz aus Stein und verleiht dem Haus eine sichere Statur. Der Kontrast der Materialität zwischen den spielerisch leichten, privaten Obergeschossen und der sicheren Statur des Sockels im öffentlichen Raum erzielt eine authentische stadträumliche Qualität. Sowohl die Schieferbekleidung der Fassade als auch der Rote Mainsandstein sind ortstypisch.

Materialien:
Roter Mainsandstein | Schiefer

Begründung der Jury:
"Das markante Eckgebäude in der Frankfurter Altstadt wirkt traditionell und experimentell zugleich, spielt es doch geschickt mit Verweisen auf die Vergangenheit ohne diese zu imitieren. Die Interpretation des Kontextes mit tradiertem Material und zeitgemäßer Formensprache ist einzigartig. Der Umgang mit dem polygonal gefalteten Schieferkleid in Altdeutscher Deckung ist abgefahren handwerklich."

Kategorie Material

2. Auszeichnung Material: Futurium Berlin – Ein Zukunftsgefäß von Richter Musikowski Architekten PartGmbB

Projektbeschreibung:

Das Futurium befindet sich im Herzen von Berlin – eingebettet zwischen Berliner Spreebogen, Hauptbahnhof und Gelände der Charité. Innerhalb dieses Ensembles entwickelt das Futurium eine eigenständige skulpturale Form. Durch Zurücksetzen der Bauflucht werden zwei Plätze geschaffen. Die schmetterlingsförmige Auffaltung des Baukörpers zu städtebaulichen Hochpunkten verleiht dem Futurium die visuelle Prägnanz zwischen Spree und Hochbahn. Das Futurium ist als Niedrigstenergiegebäude konzipiert und erreicht in der Nachhaltigkeitsbewertung den Status BNB-Gold mit 89,9%. 

Das Gebäude gliedert das Programm aus "Ausstellung – Veranstaltung – Workshop" in drei große Raumschichten: Das "Forum" mit dem zentralen Foyer liegt im Erdgeschoss, die "Cloud" beinhaltet die Dauerausstellung im Obergeschoss und das "Futurium Lab" liegt im Untergeschoss. Ein öffentlicher Rundgang auf dem Dach bietet den Besuchern Ausblicke auf Stadt und Energiekollektoren. Das diffuse Schimmern des lichtstreuenden Gussglases und die sich farbig spiegelnden Lichtreflexe von gefalteten Edelstahl-Reflektoren erzeugen ein changierendes, sich mit dem Lichteinfall beständig änderndes Wolkenbild. Eine passende Hülle für das Haus, was die Zukunft beherbergt.

Materialien:
Gussglas Listral L von Saint Gobain Glas | Edelstahlblech von Al Promt | Fassadensystem von Schüco Jansen Stahlsysteme

Begründung der Jury:
"Die mehrschichtige Fassade aus bedruckten Gussglaskacheln und gefalteten Edelstahlreflektoren lässt mit ihrer diffusen Lichtreflexion erahnen, dass dieser fantastische Bau der Zukunft gewidmet ist. Die architektonische Ausführung trägt seiner inhaltlichen Konzeption mit innovativen Technologien und nachhaltiger Bauweise Rechnung. Die zukunftsfähige Architektur wird die Besucher in ihren Bann ziehen."

3. Auszeichnung Material: Bürogebäude SüdWestStrom von Steimle Architekten BDA

Projektbeschreibung:

Der Erweiterungsbau der SüdWestStrom befindet sich auf dem Gelände der Stadtwerke Tübingen. Der Standort wird geprägt durch die vorhandenen Technikgebäude und die räumliche Nähe zu den beiden bestehenden Verwaltungsgebäuden der Stadtwerke, die in den 1980er Jahren fertiggestellt wurden. Der sechsgeschossige Kubus des Neubaus der SWS vermittelt mit seiner Höhe zwischen den beiden vorhandenen Baukörpern und komplettiert als geometrisch klarer Körper dieses Ensemble.

Mit seiner kubischen Form reagiert der Neubau auf seine prominente Position auf dem Grundstück: Der solide wirkende, homogen mit Ziegelmauerwerk verkleidete Baukörper, in den markante, schräg geschnittene, weiße Fensterlaibungen eingesetzt sind, erhält ein klares Gesicht zur Stadt. Dabei präsentiert er sich selbstbewusst nach allen vier Richtungen und lässt keine Rückseiten entstehen - weder zum neu gestalteten Vorplatz noch zum Betriebsgelände und dem Galgenberg.

Materialien:
Backstein Klinker der Ziegelei Hebrok | textiler Sonnenschutz von Serge Ferrari

Begründung der Jury:
"Dieser Klinkerbau mit seinem lebendigen Ziegelmauerwerk wirkt in seiner hellen Ausführung fast schon exotisch und fügt sich dennoch – mit seiner gewählten Materialität den historischen Standort konnotierend – behutsam in das ihn umgebende städtebauliche Ensemble ein. So stolz sich die Fassade mit ihren markanten Fensterlaibungen präsentiert, die monochrome Materialauswahl der Innenarchitektur stellt sich ihr selbstbewusst entgegen und überzeugt gleichermaßen."

Kategorie Materialeinsatz 

2. Auszeichnung Materialeinsatz: Bücherei Kressbronn a. B. von Steimle Architekten BDA

Projektbeschreibung:

Dem baulichen Erbe mit Rücksicht und Respekt zu begegnen, dabei den Charakter des alten Stadels im Zentrum von Kressbronn zu erhalten und ihn mit möglichst wenigen, wohldurchdachten Eingriffen in ein modernes, offenes Haus zu transformieren, waren die Leitgedanken für diesen Entwurf. Der Umbau des früher landwirtschaftlich genutzten Stadels sollte den Charakter des Hauses bewahren, das weitauskragende, schützende Dach erhalten und auch die traditionelle Gliederung in ein massives Erdgeschoss und ein darüberliegendes Tennengeschoss übernehmen.

Der Dämmbeton übernimmt die Funktion des massiven Sockels und die Fassade des Tennengeschosses ist mit den gedrehten Holzlamellen an die ehemalige Stülpschalung angelehnt. Die filigrane Holzkonstruktion ersetzt nun die alte Fassade, reagiert sensibel auf den Bestand und verändert diesen behutsam. Ausgehend von der baugeschichtlichen Bedeutung des Stadels und der emotionalen Bindung der Menschen, wurde das Haus mit wenigen architektonischen Mitteln in der heutigen Zeit verortet, ohne seine Geschichte zu verdrängen.

Materialien:
Dämmbeton von Liapor GmbH & Co. KG | Holzlamellen von Häussermann GmbH & Co. KG

Begründung der Jury:
"Aus der Struktur eines unbeheizten Wirtschaftsgebäudes eine moderne, großzügige Bibliothek zu generieren, gebührt großen Respekt. Diese Transformation ist eindrucksvoll und gelingt mit wenigen architektonischen Mitteln und bewusstem Materialeinsatz: Stark sind die gedrehten Holzlamellen der Fassade, Elemente moderner Formensprache, die das Gebäude im Hier und Jetzt verorten, dabei den ursprünglichen Charakter deutlich hervorheben. Aus neu mach alt." 

3. Auszeichnung Materialeinsatz: Kagkatikas Secret von Quintessenz Creation Gbr

Projektbeschreibung:
Die Installation "Kagkatikas Secret" entstand im Rahmen des Paxos Contemporary Art Projekts. Das Werk entfaltet sich in einer rund 400 Jahre alten Ruine und bildet einen einzigartigen Kontrast. Sie ist losgelöst vom üblichen Stadtrummel und steht nicht in Konkurrenz zu grellen Lichtern oder aufdringlicher Werbung. Der Wind und das Sonnenlicht lassen die Installation wie ein digitaler Körper in der realen Welt erscheinen. Bei hintereinander Auffächern des Gewebes entsteht der sogenannte Moiré-Effekt. Das Auge kann Vorder- und Hintergrund nicht mehr differenzieren. Diese Interferenzen bilden die Basis der Gewebe-Installationen und bieten ein interessantes Spannungsfeld der Wahrnehmung. 

Die Installation bildet die Schnittstelle zwischen analog und digital, zwischen heute und damals und zwischen alt und neu. Der große Kontrast lässt die Installation fast unwirklich erscheinen, sobald sich der Wind in den Schichten setzt und das Sonnenlicht die Farben noch mehr unterstreicht, scheint es, als gäbe es nur einen Ort für diese Installation.

Materialien:
Glasfaser Gewebe und Armierungsgewebe von Weroform

Begründung der Jury:
"Atmosphäre und Interaktion stehen im Vordergrund dieser Installation – und beides ist mit wenigen Mitteln umso mehr gelungen. Dass Wind und Sonne durch ihren Materialeinsatz die Glasfasergewebe inszenieren, erweckt die Sehnsucht der Juroren, diese Installation zu erleben. Die weichen Moiré-Effekte, die durch die Windbewegungen entstehen, kontrastieren mit den leuchtenden, geschichteten Farbfeldern und lösen die Grenzen zwischen realer und digitaler Welt auf. Die Kraft der Kunst..."

Kategorie Publikumsvoting

2. Auszeichnung Publikums-Voting: Autowaschstraße Sundheimer Fort–Kehl von Wilhelm + Partner

Projektbeschreibung:
Gewerbegebiete und Innenstadt – zwischen der Wahrnehmung dieser beiden Begriffe liegen Welten. Die architektonisch vernachlässigten Stadträume in Gewerbegebieten geben den Entwerfenden eine Chance, diese mit neuem Empfinden zu verbinden. Bei der vorliegenden Chance hatte der Autor versucht seine Faszination in Zusammenhang mit dem wohl bekanntesten Kunstwerk von Salvador Dali "La persistencia de la memoria" in einer Konstruktion auszudrücken. Die ETFE-Folien bilden in Kombination mit dem Medium Luft ein den Natureinwirkungen sich selbst anpassendes System. Das durch die Folien eingeschlossene Luftvolumen steht unter einem variablen geringen Überdruck in Abhängigkeit der im Moment wirkenden Wind- und Schneelasten.

Materialien:
ETFE-Folie von Seele Cover GmbH | Stahl von Seele, Pilsen | Luft

3. Auszeichnung Publikums-Voting: Mehr.Wert.Pavillon von Nachhaltiges Bauen KIT Karlsruhe und 2hs Architekten und Ingenieur PartGmbB

Projektbeschreibung:
Der Mehr.Wert.Pavillon auf der Bundesgartenschau 2019 in Heilbronn zeigt den innovativen und sinnvollen Einsatz wiederverwendeter und -verwerteter Ressourcen: Alle im Projekt eingesetzten Materialien haben bereits mindestens einen Lebenszyklus durchlaufen und sind nach dem Rückbau des Pavillons wiederum komplett trennbar. Dabei zeigt der Pavillon verschiedene Stoffkreisläufe für Struktur, Fassade, Boden und Innenausstattung: Die tragende Struktur ist komplett aus Stahl gefertigt, der größtenteils aus einem zurückgebauten Kohlekraftwerk in Nordrhein-Westfalen stammt. 

Die Fassade besteht aus wiederverwertetem Glas, das zu zwei verschiedenen Baustoffen weiterverarbeitet wurde – z.B. Magna Glaskeramik aus Bruch- und Flaschenglas. Der Boden im Garten und unter dem Pavillon kombiniert verschiedene mineralische Abbruchmaterialien und die Möbel und Einbauten sind aus diversen Kunststoffmaterialien hergestellt. Die Arbeitsplatte besteht z.B. aus wiederverwerteten Küchen-Schneidebrettern.

Materialien:
Magna Glaskeramik (Polar White, Ice Nugget, Green, Jade Green) von Magna Glaskeramik AG | WasteBasedBricks (Salt&Pepper, Salami) von StoneCycling BV | Blue Dapple von Smile Plastics

Anerkennung Studie und Vision

BioMat Pavillon 2018 Flexible Forms von BioMat Abteilung am ITKE – Fakultät Architektur und Stadtplanung – Uni Stuttgart

Projektbeschreibung:
Der Forschungspavillon umfasste eine Fläche von ca. 55 qm und ein Innenvolumen von ca. 130 Kubikmeter mit einer Spannweite von 9,5 m und einer Höhe von 3,6 m. Sie wurde im Sommer - Winter 2018 auf dem Campus der Universität Stuttgart in der Innenstadt ausgestellt. Es bestand aus einer doppelt gekrümmten, parametrisch segmentierten Schale aus gebogenen Holz- und Bioverbundelementen, die von drei gebogenen, gekreuzten Holzbalken getragen wurden. Die Geometrie der Schale ähnelt einem 3D-Gewebe, in dem die gebogenen Bio-Verbundelemente im dreidimensionalen Raum in alle Richtungen verbunden waren.

Dies ermöglichte den Ausdruck neuer ästhetisch nachhaltiger, architektonischer Merkmale der Zukunft, die durch den Einsatz digitaler Fertigungstechnologien ermöglicht wurden. Die Arbeit ist das Ergebnis der Zusammenarbeit von ca. 40 Architekturstudenten und ca. zehn Experten mit Unterstützung der Universität Stuttgart, der Deutschen Agentur für Nachwachsende Rohstoffe (FNR/BMEL) und anderen Industrieförderungen.

Materialien:
Bioverbundwerkstoffe | Sandwichelemente der BioMat Abteilung am ITKE | Fak.01 | Universität Stuttgart

Begründung der Jury:
"Beeindruckend ist die duale Konzeption dieses Forschungspavillons. Konstruktiv und materialtechnisch ist ein Pavillon entstanden, der ganz selbstverständlich an die große Tradition des Leichtbaus in Stuttgart anknüpft. Dass dabei ein Sandwichmaterial aus nachwachsenden Lignocellulosefasern zum Einsatz kommt, das auf mehrjähriger Forschung auf dem Gebiet der Anwendung biobasierter Materialien und verschiedenen Konzepten für eine zukunftsorientierte und nachhaltige Architektur basiert, ist umso bemerkenswerter."

ICD Aggregat Pavillon 2018 von Institut für Computerbasiertes Entwerfen und Baufertigung (ICD), Universität Stuttgart

Projektbeschreibung:
Der ICD Aggregat Pavillon 2018 demonstriert die neuesten Ergebnisse aus zehn Jahren Forschung an künstlichen granularen Materialien in der Architektur. Es handelt sich um den ersten vollständig umschlossenen, architektonischen Raum, der aus einem spezifisch dafür entworfenen Granulat besteht. Dafür werden zwei Typen von entwickelten Partikeln verwendet: konvexe Kugeln, die fließen können, und hochkonvexe Hexapoden und Decapoden, die sich ineinander verkeilen können.

Solche ungebundene, granulare Materialien zeigen die einzigartige Eigenschaft, sowohl den stabilen Charakter von Festkörpern als auch die schnelle Rekonfigurierbarkeit einer Flüssigkeit annehmen zu können. Wenn spezifisch gestaltete Partikel eingesetzt werden, können granulare Materialien selbsttragende Raumstrukturen bilden und gleichzeitig vollständig anpassungsfähig und wiederverwendbar bleiben.

Materialien:
Granulat, Hexapoden, Recykliertes Polystyrol von Wilhelm Weber GmbH & Co. KG | Granulat, Decapoden, ABS von Star Prototype China Ltd. | Granulat, Kugeln, PVC von Macma Werbeartikel oHG

Begründung der Jury:
"Dieser experimentelle Raum, dem eine zehnjährige Auseinandersetzung mit granularen Systemen zugrunde liegt, überrascht. Er überrascht mit einer äußerst starken Atmosphäre, die sich weitaus weniger durch sein gewähltes Material entwickelt, sondern durch deren einzigartige Eigenschaften generiert wird. Sie resultieren in einer konzeptionellen, materialgerechten Ästhetik, die das enorme Potential künstlicher, granularer Materialien in der Architektur auf bemerkenswerte Weise transportieren."

KnitCandela von Block Research Group, ETH Zurich, Zaha Hadid Architects Computation and Design Group, Architecture Extrapolated

Projektbeschreibung:
KnitCandela wurde im Atrium des Museo Universitario Arte Contemporáneo in Mexiko City gebaut. Die Technologie für die Herstellung dieser vier Meter hohen Betonschale entstand an der ETH Zürich. Eine industrielle Strickmaschine produzierte die Schalung ab einem digital generierten Strickmuster: In vier Bahnen strickte sie in 36 Stunden ein fertig geformtes 3D-Textil mit zwei Lagen. Die untere Lage bildet die sichtbare Decke – eine gestaltete Oberfläche mit farbigem Strickmuster. Die obere Lage enthält Kanäle für Stahlseile und Taschen für herkömmliche Luftballons, welche nach dem Betonieren zu Hohlräumen werden.

Schalungen für solch komplexe Formen auf konventionelle Weise herzustellen, würde wesentlich mehr Zeit und Material kosten. Als Hommage an den berühmten spanisch-mexikanischen Ingenieur und Architekten Félix Candela interpretiert KnitCandela seine spektakulären Betonschalen durch die Einführung neuartiger Methoden und innovativer Schalungstechnik neu.

Materialien:
Gestricktes Textil von Block Research Group - ETH Zürich | Spezieller Zementmix von Chair for Physical Chemistry of Building Materials - ETH Zürich | Leichtbeton von Holcim Mexico

Begründung der Jury:
"Die Huldigung, die die internationale Kooperation mit ihrem Pavillon an Félix Candela ausspricht, greift die Jury auf und gibt sie an die Autoren von KnitCandela zurück. Die raumgreifende Skulptur schöpft in bemerkenswerter Manier die Kompetenz textiler Materialien aus. Mit ihr gelingt neben der offensichtlichen Oberflächengestaltung nicht nur die effiziente Herstellung ausdrucksstarker Freiformbetonflächen ohne komplexe Schalung, sondern auch die Implementierung zusätzlicher, das Verfahren unterstützende Elemente. Brillant."

Sonderpreis Studie & Vision: Schafstall von Alexander Thumann – Student der Architektur

Projektbeschreibung:
Im Kontrast mit der offenen Landschaft birgt das Objekt Unterschlupf für drei Schafe, die an dem umliegenden Naturschutzgebiet die Weiden abgrasen. Die Formgebung entstand aufgrund des ländlichen Umfelds. Die bereits bestehenden Stallungen mit der vergrauten Holzfassade und der vertrauten Typologie wurden adaptiert und abstrahiert. Die kontrollierte Holzverkohlung schützt nicht nur die Fassade, sondern bietet auch viele ästhetische Vorteile. Die Technik unterstreicht die Struktur des Holzes und bringt die Schönheit seiner Maserung zur Geltung. So entstand ein einfacher Körper, der sich im Sommer mit der Landschaft verbindet und sich im Winter hervorhebt.

Material:
Fichte abgebrannt aus dem Waldbestand

Begründung der Jury:
"Als One-Man-Show entstanden, ist dieser Schafstall gleich in mehrfacher Hinsicht auszeichnungswürdig. Von der Initiative bis zur Ausführung ist dieser Solitär in kompletter Eigenleistung realisiert worden und greift dabei Aspekte zeitgemäßer Bauprojekte auf, die beispielhaft sind: sozial, regional und materialgerecht – in architektonischer Ausführung und schützender Oberflächenbehandlung. Alexander Thumann hat alles richtig gemacht und ist auf einem guten Weg. Wir wünschen alles Gute dabei."

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