05.03.2019

Neue Impulse

Fotos: iF International Forum Design GmbH

iF Design unterstützt mit dem iF Social Impact Prize Projekte, die gesellschaftliche Herausforderungen mit neuen Impulsen lösen. Dazu werden 50.000 Euro an soziale Projekte und Initiativen in Kamerun, Nigeria und Kenia, im Libanon, Indien, Großbritannien, Indonesien, Peru und in Afghanistan vergeben.

Seit 2017 lobt die iF International Forum Design GmbH in Hannover einen Preis für Projekte aus, die die gesellschaftlichen Herausforderungen mit neuen Impulsen lösen – den iF Social Impact Prize. Im vergangenen Jahr hat iF 50.000 Euro an neun außergewöhnlich eindrucksvolle Projekte und Initiativen vergeben. Denn neben der Förderung guten Designs hat sich die älteste Designinstitution der Welt jetzt auch die Unterstützung sozialer Projekte auf der ganzen Welt auf die Fahne geschrieben – insbesondere, wenn Design eine Rolle dabei spielt.
Über 520 soziale Projekte wurden von Unternehmen, Designstudios, NGOs, Stiftungen sowie öffentlichen und privaten Einrichtungen im iF World Design Guide zum iF Social Impact Prize 2018 angemeldet und veröffentlicht. Ein internationales iF-Team hat entschieden, welche förderungswürdigsten Aktivitäten mit insgesamt 50.000 Euro unterstützt werden, damit sie fortgesetzt und weiterentwickelt werden können. iF Geschäftsführer Ralph Wiegmann: "Maßgeblich für unser Engagement sind die Ideen, die unsere gesellschaftlichen Herausforderungen lösen. Dieser Preis ist unser Beitrag für das Gemeinwohl. Für uns ist es ein Anliegen, die vielfältigen gesellschaftlichen Aktivitäten und das Engagement der Menschen und Organisationen sichtbar zu machen, zu würdigen und finanziell zu fördern. Es ist uns wichtig zu zeigen, welche Rolle Design bei der Lösung dringender sozialer Aufgaben spielen kann."

Folgende Projekte wurden für "supported by iF" ausgewählt:

Hamami – Give a Smile | Behandlung von Gesichtsfehlbildungen
Kategorie: Goodhealth + Well-Being
Initiatoren: Hamami – Schenk ein Lächeln e.V., Rottweil

Hamami bedeutet "Give A Smile" in Gbaya – einer Sprache aus dem Norden Kameruns. Dabei handelt es sich um einen deutsch-kamerunischen Verein, dessen Ziel es ist, Kindern mit Lippen-Kiefer- und Gaumenspalten, angeborenen Gesichtsfehlbildungen, Noma und Schilddrüsen-Erkrankungen zu helfen. Dazu sollen in Kamerun mittelfristig drei Behandlungszentren in bestehenden Krankenhäusern aufgebaut werden. Langfristig will Hamami dazu beitragen, in Kamerun einheimische Ärzte, Therapeuten und Fachpersonal auszubilden, um so die kontinuierliche Behandlung der Betroffenen sicher zu stellen.

Das Statement der Jury: "Hamami kämpft gegen einen medizinischen Missstand an und ermöglicht es, Menschen mit Lippen-Kiefergaumenspalte, am 'normalen' Leben teilzuhaben – ohne Einschränkung und Ablehnung – sowohl in der Schule oder bei der Arbeit."

Das Projekt wird mit 10.000 Euro gefördert.

Hope Schools | Bildung für syrische Flüchtlingskinder
Kategrorie: Quality Education
Initiatoren: MAPs – Multi Aid Programs, Beeka/Libanon

Die Hope Schools sind das Herzstück des Education Program Libanon (EPL) – ein Projekt der internationalen Organisation MAPs (Multi Aid Programs). Hauptziel ist es, syrischen Flüchtlingskindern den Zugang zu qualitativen Bildungsmaßnahmen zu ermöglichen. Auf diese Weise werden die Zukunftschancen der Kinder nicht nur erhöht, sondern auch die Kompetenzen der Lehrer ausgebaut. Seit ihrer Gründung in 2013 spielen die Hope-Bildungszentren eine tragende Rolle. Mehr als 3.200 Schüler und etwa 140 Lehrer haben bereits von den Zentren profitieren können.

Das Statement der Jury: "Für die Wiederherstellung der syrischen Gesellschaft ist eine frei zugängliche Bildung unabdingbar. Kinder sind die Basis einer nachhaltigen gesellschaftlichen Entwicklung und haben das Recht, zu lernen und ihr volles Potenzial zu entfalten. Die Hope Schools haben sich diesen Grundsatz zur Aufgabe gemacht, um dem syrischen Nachwuchs ihren Weg in eine positive Zukunft zu erleichtern."

Das Projekt wird mit 6.000 Euro gefördert.

lnHouse Records | Plattenlabel zur Resozialisierung von Häftlingen
Kategorie: Reduced lnequalities
Initiatoren: lnHouse Records, Brighton/Großbritannien

Die Gewaltbereitschaft in britischen Gefängnissen ist in den letzten zwei Jahren um 88% gestiegen. Zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen und Personal kosten der Regierung 15 Mrd. Englische Pfund im Jahr. Hier setzt das Plattenlabel "lnHouse Records" an: Häftlinge können alle Aspekte in der Musikproduktion kennenlernen, ihre Fähigkeiten einbringen oder auch neue dazulernen – vom Marketing bis hin zu Performance. Derzeit sind in vier britischen Gefängnissen mehr als 100 Menschen für das Plattenlabel tätig. Auf diese Weise hat lnHouse es geschafft, die Gewalt in den Gefängnissen um bis zu 36% zu reduzieren, ehemalige Häftlinge wieder in die Gesellschaft zu integrieren und damit die Quote der Rückfälligen extrem zu senken.

Statement der Jury: "Dieses besondere Plattenlabel schafft es, Häftlingen neue Perspektiven zu eröffnen und unterstützt die Gesellschaft bei der Resozialisierung der Entlassenen. Es ist ein großartiges Projekt – weil es so vielfältig ist und die Fähigkeiten und Interessen vieler Menschen anspricht – von der Kunst bis zum Business."

Das Projekt wird mit 6.000 Euro gefördert.

Solar Cow and Power Milk | Bildung und Elektrizität für Kinder und Familien in Kenia
Kategorie: Quality Education
Initiatoren: Yolk, Uiwang-si/Republik Korea

Kinderarbeit verwehrt Kindern in Afrika oft die Bildung. Solar Cow and Power Milk ist ein Projekt, dass einerseits Kindern Bildung ermöglicht und gleichzeitig die Eltern mit kostenfreier Elektrizität belohnt. Die koreanische Organisation Yolk hat dazu Solar-Ladestationen vor Schulen installiert und Familien mit Powerbanks für zu Hause ausgestattet, die nur vor den Schulen aufgeladen werden können. Durch diesen "Trick" schicken die Eltern ihre Kinder zwangsläufig zur Schule, denn die Ladezeit verbringen die Kinder mit Unterricht. Und die Familien erhalten gleichzeitig Strom für den gesamten Haushalt.

Statement der Jury: "Yolk hat die Probleme dieser afrikanischen Regionen genau erkannt und löst mit dieser nachhaltigen Maßnahme gleich zwei Probleme: fehlende Bildung und mangelnde Elektrizität in den Haushalten. Zudem hat es einen verspielten Reiz, der allen Spaß macht!"

Das Projekt wird mit 3.000 Euro gefördert.

Girls Not Wives I Projekt zum Schutz benachteiligter Mädchen in Nigeria
Kategorie: Gender Equalty
Initiatoren: Wadi Ben-Hirki Foundation, Kaduna/Nigeria

Girls Not Wives ist ein Projekt der gemeinnützigen Wadi Ben-Hirki Foundation, die 2015 von der damals 20-jährigen Wadi Ben-Hirki in Kaduna, Nigeria, gegründet wurde. Die Organisation setzt sich für die Rechte und den Schutz junger, benachteiligter Mädchen ein. Girls not Wives kämpft insbesondere für die Gleichstellung der Geschlechter, gegen Kinderehen, weibliche Genitalverstümmelung, Vergewaltigung und Menschenhandel.

Statement der Jury: "Dieses Projekt ist ein überzeugendes Beispiel für den Kampf für die Gleichstellung der Geschlechter. Die Wadi-Ben-Hirki-Stiftung hilft, internationale Hilfsprogramme in diesem Bereich zu verbessern. Schwachpunkte werden identifiziert und wirksame Maßnahmen empfohlen, die über spezifische Bildungsprogramme für die Gleichstellung der Frau informieren."

Das Projekt wird mit 6.000 Euro gefördert.

Garbage Clinical Insurance | Krankenversicherung durch Müll in Indonesien
Kategorie: Goodhelath + Well-Being
Initiator: Indonesia Medika, Malang/Indonesien

Indonesien hat einerseits ein großes Müllproblem, das die Gesundheit der Menschen gefährdet – andererseits haben viele Millionen Indonesier aufgrund ihrer schlechten finanziellen Verhältnisse keinen Zugang zur Gesundheitsversorgung. Das Projekt Garbage Clinical Insurance will beide Probleme auf einmal lösen: Wer medizinische Versorgung benötigt, kann diese mit Müll bezahlen. In vielen indonesischen Kliniken läuft das Projekt inzwsichen erfolgreich.

Das Statement der Jury: "Ein sehr guter Ansatz, gleich zwei Probleme auf einmal zu lösen: das Gesundheits- und das Umweltproblem. Es wird ein sinnvoller Weg aufgezeigt, die Gesundheitsversorgung einer breiten Öffentlichkeit zu ermöglichen. Das Projekt bietet viel Potenzial auch für andere Länder mit ähnlichen Aufgabenstellungen."

Das Projekt wird mit 6.000 Euro gefördert.

Conflictfood | Fairer Handel mit Kleinbauern in Afghanistan
Kategorie: Responsible Consumption + Production
Initiator: Concflictfood GmbH, Berlin

Das Team um Salem El-Mogaddedi und Gernot Würtenberger reist seit 2016 regelmäßig in Konfliktregionen, um vor Ort die besten landestypischen Agrarprodukte zu finden und einen direkten Handel mit Kleinbauern zu betreiben. Sie möchten den Menschen langfristig eine Perspektive schaffen, lokale Strukturen stärken und Fluchtursachen an der Wurzel bekämpfen. Darüber hinaus wird der Gewinn in Bildungsprojekte in den Herkunftsländern investiert. Conflictfood fördert Eigeninitiative und zeigt Menschen in Notsituationen, wie sie trotz Konflikten und Krisen unabhängig bleiben können.

Das Statement der Jury: "Ein wirklich hervorragend durchdachtes Projekt, welches unbedingt unterstützt und vorangetrieben werden muss!"

Das Projekt wird mit 5.000 Euro gefördert.

Rescue Foundation | Hilfe für Mädchen als Opfer von Menschenhandel in Indien
Kategorie: Gender Equalty
Initiator: Rescue Foundation, Mumbai/Indien

Für die Rescue Foundation ist es eine Mission, Mädchen zu retten, zu rehabilitieren und zu repatriieren, die durch Menschenhandel zur Prostitution oder Sklaverei gezwungen wurden. Die im Jahr 2000 gegründete Foundation hat bereits mehr als 5.000 Mädchen zur Freiheit verholfen. Währen der Rehabilitationsphase werden die Mädchen gegen Geschlechtskrankheiten, HIV und andere Krankheiten behandelt und gesund ernährt. Dazu gehört auch eine psychosoziale Betreuung. Darüber hinaus werden Schneiderkurse, Yoga- und Selbstverteidigungskurse, Computerlehrgänge oder sogar Berufsausbildungen angeboten.

Das Statement der Jury: "Im Gegensatz zu staatlichen Hilfsprogrammen unterstützt die Rescue Foundation die Opfer bei allen lebensnotwendigen Bedürfnissen und ermutigt sie zu einem Neuanfang. Eine unglaublich wichtige Arbeit, die hilft, die körperliche und seelische Integrität der häufig schwer traumatisierten Opfer wiederherzustellen und verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen."

Das Projekt wird mit 4.000 Euro gefördert.

x-runner | Nachhaltige Sanitärlösungen für einkommensschwache Haushalte in Peru
Kategorie: Clean Water + Sanitation
Initiatoren: x-runner Venture Switzerland GmbH, Küsnacht/Schweiz und Associación Sanisol, Lima/Peru

x-runner bietet Familien in armen, urbanen Siedlungen in Entwicklungsländern eine nachhaltige und würdevolle Sanitärlösung an. In Peru arbeitet x-runner mit dem Verein Sanisol zusammen. Haushalte ohne Abwasseranschluss erhalten eine wasserlose Toilette, die regelmäßig abgeholt und geleert wird. Die gesammelten Abfälle werden in hoch qualitativem Kompost verarbeitet, der dann wieder verkauft wird. Das Projekt verbessert nicht nur die Lebensqualität der Familien, sondern trägt auch zur Gesunderhaltung der Menschen bei.

Das Statement der Jury: "x-runner ist eine sehr effektive Lösung, die perfekt auf die Bedürfnisse und die Situation der Menschen vor Ort zugeschnitten ist – und dabei das Hygieneproblem dieser Gemeinschaft löst."

Das Projekt wird mit 4.000 Euro gefördert.

Und bereits heute läuft der iF Social Impact Prize weiter. In 2019 wird iF weitere 50.000 Euro an soziale Initiativen und Projekte vergeben. Jeder kann sein Engagement auf der iF-Website veröffentlichen und sich damit um eine Förderung bewerben. Die Deadline für die nächste Auswahl endet am 6. Juni.

www.ifworlddesignguide.com

Ähnliche Artikel