08.11.2018

Holzhaus durch und durch

Fotos: Lignotrend

Am Bodensee ist ein besonderes Ferienhaus "made of Ligno" entstanden.

In Hard am Bodensee liegt, inmitten der alten Rheinauenlandschaft, das Gebiet "in der Schanz". Seit die Gemeinde in den 1950er-Jahren das einstige Schwemmland in eine Feriensiedlung umwandelte, herrscht dort mediterrane Lebensart. Und obwohl zuweilen heftige Regenfälle die Gewässerpegel ansteigen lassen und die Keller fluten, lieben die Bewohner ihr "Klein-Venedig". Auch eine Bauherrenfamilie aus München erwarb dort ein kleines, leider aber nicht erhaltenswertes Bestandsgebäude auf einem Pachtgrundstück. Der Konstanzer Architekt Robert Geckeler wurde beauftragt, auf der Parzelle ein Klimaholzhaus als Feriendomizil zu errichten. Die Brettsperrholzelemente wurden den konstruktiven, bauphysikalischen und gestalterischen Anforderungen entsprechend im Werk konfiguriert. Das Ergebnis ist ein Haus in Sichtholzqualität, dem das Hochwasser nichts anhaben kann.

Nach Beginn der Planungen war für den Architekten und seine Bauherren klar: Das einfache und in Teilen stark baufällige und durchfeuchtete Bestandshaus auf dem Grundstück ließ sich mit zumutbarem Aufwand nicht erhalten. Geckeler plädierte darum für den Abbruch und schlug ein Holzhaus auf Stützen vor, unter dem das Hochwasser einfach hindurchfließen kann. Seine Auftraggeber überzeugte er mit den vielfältigen Qualitäten der Ligno-Bauweise, mit den Holzoberflächen in heller, astfreier Weißtanne und dem guten Wohnraumklima, das die multifunktionalen Brettsperrholzelemente des Herstellers Lignotrend schaffen.

Das Ferienhaus in Hard ist ein wohngesundes Holzhaus. Lediglich die geländegleiche Bodenplatte sowie die Aufständerung sind aus Stahlbeton. Statt eines Kellers ist diese gerade einmal zwei Meter hohe Ebene als "offenes Untergeschoss" konzipiert. Es hat ebenso wie die übrige Fassadenfläche eine Rhombus-Verkleidung aus vorpatinierter Weißtanne, kann aber bei Hochwasser "geflutet" werden. Es dient als Winterlager für Boote, als Brennholzdepot und Fahrradgarage. Allseitige Schiebetore ermöglichen den freien Zugang.

Das Klimaholzhaus mit rund 100 qm Wohnfläche auf eineinhalb Etagen ist vollständig aus konfigurierbaren tragenden Massivholzbauteilen made of Ligno für Wand, Decke und Dach konstruiert, die innen bereits ab Werk mit einer endfertigen Sichtholzoberfläche ausgestattet sind. Astfreies Holz prägt das Design. Da der Bebauungsplan eine Traufhöhe von maximal fünf Metern vorschrieb, entwarf der Architekt ein Pultdachhaus und konnte damit teilweise eine Zweigeschossigkeit erreichen. Auf der Pultseite nimmt die gegenläufige Glasüberdachung der Terrasse die erlaubte maximale Traufhöhe wieder auf.

"Ein großer Vorteil bei der Arbeit mit Lignotrend-Bauteilen ist, dass die Gebäude sehr schnell erstellt werden können", verrät Geckeler. "Der Planungsaufwand mag ein klein wenig höher sein, weil wegen der Vorfertigung der Elemente viele Entscheidungen bereits sehr früh getroffen werden, beispielsweise die Lage der Schalter, der Steckdosen oder die Elektroauslässe für die Lampen. Doch auf der Baustelle geht dann alles sehr schnell. Das Aufrichten des Hauses in Hard hat gerade einmal drei Tage gedauert, danach waren schon wesentliche Innenausbau-Flächen fertiggestellt."

Eine vorgelagerte Außentreppe aus Stahl erschließt das Wohngeschoss. Unter einem Fassadenrücksprung liegt ein gedeckter Eingangsbereich, der gleichzeitig auch Zugang zur glasüberdachten Südterrasse ist. Ein zweigeschossiger, bis unter das Dach offener Eingangsraum empfängt den Besucher mit der edlen Design-Anmutung des Weißtannenholzes ringsum, das sich über Decken und Wände zieht und auch alle Einbauten, Fensterzargen sowie die Türfassungen und -blätter mit einschließt. Auch die Bodenbeläge und die Stufen der Innentreppe sind aus Holz.

"Entscheidet man sich für die edlen Sichtholzoberflächen für Wände und Decken 'made of Ligno', hat das noch einen weiteren großen Vorteil. Der Rohbau ist dann gleich der Fertigbau. Die Innenflächen sind sofort endfertig und kein Maler oder Gipser muss jemals an diese Flächen ran", erklärt Geckeler. "Sie sind nach Einbau sofort wohnlich und schön, und das bleiben sie auch. Das ist eine Erleichterung für den Nutzer und auch eine nicht zu vernachlässigende finanzielle Ersparnis für die Zukunft."

Besonders sorgfältig ordnete der Architekt die Wand-, Decken- und Dachelemente als ein Fugenraster im Innenraum an. So entstand ein durchgängig einheitliches Ganzes. Glaseinsätze an den Übergängen von Wand und Dach lassen das Licht von einem Raum in den nächsten fließen. Glastüren verstärken den Effekt des "Durchwohnens". In die Bauteile eingelassene LED-Lichtbänder schaffen visuelle Leichtigkeit.

Alle vom Besitzer selbst genutzten Räume sind auf dieser Eingangs-Etage angeordnet: Wohnen, Kochen und Essen verteilen sich auf rund 35 qm im Raumkontinuum. Raumhohe Fenster und Glasschiebetüren öffnen sich zur Terrasse und bieten eine fantastische Sicht auf die nahen Berge. Schlafzimmer, Ankleideraum, Bad und WC sind an der eher geschlossenen Nordseite des Hauses untergebracht. Schmale Fensterformate gewähren interessante Ausblicke, sogar von der Dusche aus!

Gleich neben der Eingangstür führt eine einläufige Treppe hinauf ins Dachgeschoss. Hier oben ist genug Platz für Gäste, zum Lesen oder für Büroarbeit. Es gibt ein separates Schlafzimmer mit Bad und einen Aufenthaltsbereich, der über die offene Galerie sicht- und hörbar mit der Eingangszone verbunden ist. Gemütlich sind die großformatigen, quadratischen Panoramafenster, die in beiden Geschossen die Aussicht rahmen und mit tiefen, als Bank gestalteten Brüstungsflächen zum Verweilen einladen. Um ausreichend Stauraumfläche zu schaffen, gestaltete Geckeler den "toten" Raum unter dem Treppenlauf als maßgefertigten Schrank. Dieser orientiert sich nach zwei Seiten. Zur Eingangszone mit ausziehbaren Fächern und Schubladen für Wäsche, Garderobe und Schuhe und zur Küchenseite mit Einbauschränken für Geschirr, Backofen und Kühlschrank.

Bei der Martin Holzbau GmbH in Dornbirn, die das Aufrichten des Hauses verantwortete, informierte sich die Familie, begleitet von ihrem Architekten, vorab über die besondere Wirkungsweise eines Klimaholzhauses auf die Aufenthaltsqualität im Wohnraum und nahm die Wand- und Deckenaufbauten der Lignotrend-Bauteile genau in Augenschein. Im neuen Haus wollte sie vor allem das Problem der Schimmelbildung ausschließen, das beim Bestandsgebäude so massiv aufgetreten war.
Der mehrschichtige Aufbau der Klimaholzhaus-Gebäudehülle ermöglicht durch die klare Abfolge von tragendem Massivholzkern, diffusionsoffener Membran und außen aufgesetzten Dämmständern ein lückenloses Umlaufen der Wand- und Dachdämmung. So werden Wärmebrücken zuverlässig minimiert und die Wände bleiben trocken.

Nicht zuletzt sorgt die besondere Konstruktion des Klimaholzhauses für ein angenehmes Raumklima, da das Massivholz seine natürlichen klimaregulierenden Fähigkeiten ganzjährig ausspielen kann. Die Klimaholzhaus-Bauweise ist diffusionsoffen, das heißt, die luftdichte, aber für Wasserdampf durchlässige Gebäudehülle wirkt atmungsaktiv. Die bewusst verbaute große Holzmasse reguliert den Feuchte- und Wärmehaushalt des Hauses. Im Sommer wird der Raumluft nicht nur Feuchtigkeit entzogen, sie heizt sich auch nicht so schnell auf, weil das massive Holz den Wärmedurchgang verzögert und abmindert. Ein Klimaholzhaus hält die Wärme im Sommer draußen und im Winter drinnen. Außerdem wirkt das Holz in der kalten Jahreszeit trockener Raumluft entgegen, indem es die im Sommer gespeicherte Luftfeuchte auf natürlichem Wege wieder abgibt. Das ganze Jahr über herrscht dadurch ein angenehmes Raumklima.

www.lignotrend.de

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