2016 feierte die Vienna Design Week ihre zehnte Festivalausgabe. Foto: Kollektiv Fischka | Marcel Nimmfuehr

Vienna Design Week 2016

Österreichs größte Design-Veranstaltung, die Vienna Design Week, feierte in diesem Jahr ihre zehnte Festivalausgabe. Zum Jubiläum stand die Hauptstadt Wien mit rund 150 Veranstaltungen, Ausstellungen, Installationen und Events ganz im Zeichen von Kreativität, Handwerk und Design. Dabei steht, im jährlichen Wechsel, ein Bezirk innerhalb Wiens im Fokus der Veranstaltung. In diesem Jahr wurde der fünfte Wiener Gemeindebezirk, Margarethen, als zentraler Austragungsort gewählt, der ohnehin als Ballungszentrum der Kreativindustrie gilt.

www.viennadesignweek.at

Wie bereits in den Jahren zuvor präsentierte sich die Vienna Design Week auch 2016 mit einem Gastland – diesmal beehrten junge und renommierte Designer aus dem benachbarten Tschechien das Programm in Wien. Im Festivalzentrum in Margarethen widmete sich die Ausstellung „Generation: The best of young czech design“ den Nachwuchstalenten aus dem Nachbarland.

„Generation: The best of young czech design“:

Zeitgenössisches tschechisches Design der jüngsten Generation trifft schwedisches Massenprodukt. Eingebettet in eine aus Ikea- Tischen bestehende Szenografie präsentierte die Gruppenausstellung „Generation“ Arbeiten eines Dutzends aufstrebender Designschaffender und Studios, die sich im Laufe der letzten zehn Jahre etablieren konnten. Im Kontrast zwischen dem Mainstream ihrer Lebensumstände und den individuellen Ausstellungsbeiträgen verdichtet die Schau kreative Einflüsse und berichtet von einem voranschreitenden Reifeprozess der tschechischen Designszene in einer postsozialistischen Gesellschaft. Die Ausstellung umfasst sechs Themenbereiche: Möbel, Produkte, Glas, Porzellan, Beleuchtung und Interior Design. Foto: Kollektiv Fischka | Patrizia Gapp

Mit dem Programmpunkt „Passionswege“ hat die Vienna Design Week zur Ausgabe 2016 erneut sieben internationale und österreichische Designschaffende mit Wiener Unternehmen zum kreativen Austausch gebracht. Dabei steht die Festivalorganisation als Vermittler, Förderer und Moderator zwischen den Unternehmen und den Designern.

Dechem studio & Porzellanmanufaktur Augarten:

Das 2012 in Prag gegründete Design Studio Dechem (Michaela Tomiskova und Jakub Jandourek) arbeitete im Rahmen des Festivalformats Passionswege mit der Wiener Porzellanmanufaktur Augarten zusammen. Auch wenn Dechem vorrangig mit Glas arbeitet, wollten sich die beiden Designschaffenden für dieses Projekt mit den Produkten der Porzellanmanufaktur auseinandersetzen und auf experimentelle Weise die Verbindung der unterschiedlichen Materialen Glas und Porzellan untersuchen. Ausgehend von einem traditionellen Objekt – einer Lampe aus der Kollektion der Porzellanmanufaktur Augarten – befassten sich Michaela Tomiskova und Jakub Jandourek u.a. mit der Modifikation von Farbe, Oberfläche und Struktur der Lampe. Foto: Nadine Cordial Settele

Rens & Neon Kunze:

Das in Eindhoven ansässige Designstudio Rens wurde im Jahr 2008 von Renee Mennen und Stefanie van Keijsteren gegründet. Bei ihren Projekten verfolgen die beiden Designerinnen stets einen forschenden Ansatz, eine Schlüsselrolle spielt dabei oftmals die Farbe Rot. Im Rahmen der Vienna Design Week 2016 arbeitete Rens mit dem Wiener Unternehmen Neon Kunze zusammen. In gewohnt experimenteller Weise setzten sich Renee Mennen und Stefanie van Keijsteren mit den Möglichkeiten der Produktion von Neon auseinander, um jene Herstellungsweise für die Festivalbesucher nachvollziehbar machen und um dabei eine neue Neon-Farbpalette zu kreieren. Foto: Kollektiv Fischka | Kramar

Nicht zuletzt hat auch das Format „Stadtarbeit“, mit zahlreichen Beteiligungen im Bereich Social Design, für eine gelungene Jubiläumsausgabe gesorgt. Lassen Sie sich von den Eindrücken aus Wien inspirieren!

Feuerküche (Johanna Dehio & Valentina Karga):

Während der Vienna Design Week war die Feuerküche eine partizipative, öffentliche Aktion, bei der in einem exemplarischen Prozess rohe Materialien in eine funktionsfähige Kocheinheit umgewandelt wurden. Geschirr, Töpfe und Tischöfen wurden aus Ton geformt und im Holzfeuer gebrannt, wodurch sie eine matte schwarze Oberfläche erhielten. Im Rahmen eines Festessens wurde nach Rezepten aller Teilnehmenden gekocht und gemeinsam an einer feierlichen Tafel gegessen. Durch den Hands-on-Ansatz des Projekts entsteht eine Erfahrung, die den sinnlichen Kontakt mit dem Rohmaterial Ton ermöglicht und das Archaische des Kochens auf offenem Feuer erlebbar macht. Damit sollte das Projekt die Neugier für jene Entwicklungsschritte wecken, die auf dem Weg vom Material zum Gebrauchsgegenstand durchlaufen werden. Das Projekt wurde zum Teil in Kooperation mit dem Caritas Projekt "Kompa" realisiert. Foto: Kollektiv Fischka | Marcell Nimfuehr

Ergänzend zu den kuratierten Formaten der Vienna Design Week tragen die Projekte der Programmpartner zur Vielfalt des Festivals bei. Unternehmen, Museen, Institutionen, Galerien und Designbüros aus dem In- und Ausland nutzen jährlich die Gelegenheit, sich während der Vienna Design Week mit für das Festival konzipierten Beiträgen zu präsentieren. Das thematisch facettenreiche Programm umfasst Ausstellungen, Vorträge und Workshops genauso wie Installationen, Experimente und mehr.

J. & L. Lobmeyr, „KIM+HEEP 50 YEARS MET CHANDELIERS + UFOs“:

Bei der Eröffnung der Metropolitan Opera in New York 1966 galt der erste Applaus den zwölf vor der Aufführung emporsteigenden Lustern aus Wien. Auch im Foyer erstrahlte von weitem sichtbar eine Kaskade aus „explodierenden Sternen“. Als Vorlage für die Luster, die heute Symbolcharakter haben, erhielt Hans Harald Rath ein Büchlein von Architekt Wallace K. Harrison, das frühe Fotos aus dem Weltall zeigte. Als erstes Modell dienten ihm mit Zahnstochern gespickte, an Schnüren aufgehängte Kartoffeln aus der Hotelküche. 50 Jahre nach der Eröffnung der Met präsentiert J. & L. Lobmeyr die größte seither gebaute Lustergruppe. Außerdem zu sehen: leuchtende UFOs mit klingenden Namen wie Stanley, Nyota, Ellen und Orson vom Designduo KIM+HEEP. Foto: Kollektiv Fischka | Kramar

MAM Mario Mauroner Contemporary Art, „INVENTUR: Adolf Krischanitz“:

Nach insgesamt 30 Jahren hat der Architekt Adolf Krischanitz seine Interieurs erstmals einer umfassenden Inventur unterzogen und zeigt in einer Austtellung Originale, Zeichnungen, Pläne und Fotos. Seine Objekte – von Sessel und Liege bis Tisch und Leuchte – sind immer einer konkreten Bauaufgabe zugeordnet, also Teil einer räumlichen Organisation und Gestion. Durch Modelle zu zwei seiner Pavillons wird das Thema überdies um den Begriff des Stadtmöbels erweitert. Im Zuge der Ausstellung während der Vienna Design Week wurde das erste Verzeichnis zum umfassenden Möbelwerk von Adolf Krischanitz präsentiert. Foto: MAM/Lukas Roth

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