Benjamin Hubert.
Benjamin Hubert.

Materialorientiert | Prozessgeführt | Industrielles Design

Möbel, Leuchten, Konsumgüter, architektonische Installationen und Innenarchitektur – das Spektrum von Benjamin Hubert ist breit. Er gehört derzeit zu den gefragtesten Jungdesignern.

Seine Objekte sind zeitlos und reagieren nicht auf Trends oder Modeerscheinungen, sondern basieren auf Gebrauchstauglichkeitsanalysen, Materialität, Nachhaltigkeit und visueller Reduktion. Das Studio Benjamin Hubert Ltd. arbeitet mit führenden, internationalen Design-Marken zusammen. Im Interview mit InteriorFashion erzählt der Designer von seinen Eindrücken aus Mailand und worauf es ihm bei seiner Arbeit ankommt.

IF: Herr Hubert, wie war der Salone in Mailand für Sie dieses Jahr? Welche Eindrücke haben Sie mitgenommen und gehört der Salone für Sie als Designer zu den „Pflichtterminen“ im Jahr?
Benjamin Hubert: Der Salone del Mobile ist jedes Jahr eine großartige Zeit, man kann alle Freunde, Kollegen und Klienten an einem Ort treffen. Es ist immer noch das wichtigste Ereignis im Kalender. Wenn man dort ist, fällt es einem schwer zu verstehen, was gut und was nicht so gut ist, da man so viel mental downloaden muss. Ich glaube, manche Firmen tendieren dazu, zu viel zu produzieren; ihnen fehlt die Selbstsicherheit, nur ein oder zwei Produkte herzustellen und sie mit Erfolg auf den Markt zu bringen. Glücklicherweise gibt es auch einige Firmen, die so arbeiten, und wir haben das Glück, mit manchen zusammenzuarbeiten.

IF: In Mailand wurde u. a. erstmals Ihr neuer Entwurf „Inlay“ – ein ultramodulares Sofakonzept – für die belgische Designermarke Indera vorgestellt. Können Sie uns mehr darüber erzählen?
Hubert: „Inlay“ ist ein neues supermodules Sofa-System für superflexibles Wohnen. Bei „Inlay“ gibt es Rücken-, Armlehne- und Sitzmodule in verschiedenen Größen, die einfach vom Nutzer konfiguriert oder auch neu konfiguriert werden können. Mit den endlosen Variationen kann ein Sofa für jede Situation zusammengestellt werden. Für das Sofa wird eine moderne, architektonische Formsprache verwendet, und ein innovatives Nahtbild integriert die Beine aus Aluminiumdruckguss in den Korpus, um eine neue Ästhetik für diese Typologie zu entwickeln. „Inlay“ ist erhältlich in allen Kvadrat-Stoffen und in Leder für Wohn- und Objektzwecke. Die Wohnversion des Sofas bietet auch lose Kissen und ist dadurch eine noch flexiblere Lösung für den Privatbereich. 

IF: Wie würden Sie selbst ein „typisches“ Benjamin-Hubert-Design beschreiben? Was zeichnet Ihre persönliche Design-Handschrift aus?
Hubert: Wir wollen Probleme lösen, etwas entwickeln mit festen Werten – etwas, was schneller, leichter, stärker, wirtschaftlicher, flexibler ist. Diese Kernwerte stehen im Mittelpunkt für uns, weil wir glauben, dass sie im Einklang mit der jetzigen und zukünftigen Situation in der Welt sind – und damit, wie Menschen konsumieren sollten.

IF: Wie gehen Sie an ein neues Projekt heran? Wie kann man sich Ihre Arbeitsweise vorstellen? Was macht Ihnen besonders Spaß an Ihrer Arbeit?
Hubert: Wir stellen immer viele Fragen und stellen uns der Aufgabe, etwas zu entwickeln, was neu ist und gleichzeitig wirtschaftlich sinnvoll und zu unserer Lebensart passt. Wir gehen Probleme analytisch an, danach kommen Zeichnen, Modellbauen, 3D CAD und viele Tests. 

IF: Gibt es ein Material oder etwas anderes, mit dem Sie besonders gerne arbeiten? Und wenn ja, warum?
Hubert: Wir arbeiten gerne mit dem Material, das ein Problem, an dem wir gerade arbeiten, am besten löst.

IF: Woher holen Sie sich Ihre Inspirationen?
Hubert: Von der Art, wie auf der Welt gelebt wird, von dem Alltag, den wir erleben, von der Art und Weise, wie wir Kaufentscheidungen treffen und von der Flexibilität, die wir im Alltag brauchen, um ihn leichter und angenehmer zu machen.

IF: Sie gehören derzeit zu den erfolgreichsten Jungdesignern. Ihre Referenzliste liest sich wie das Who‘s Who der großen Design-Marken. Gibt es ein Projekt, das Ihnen besonders am Herzen liegt oder besonders viel Freude gemacht hat?
Hubert: Die, an denen wir gerade arbeiten. Wir haben zurzeit mit großen Sportmarken, elektronischen Geräten, Wohltätigkeitsorganisationen und Hilfsmitteln für Menschen mit Behinderung zu tun. Wir arbeiten immer mehr an Werkzeugen, mit denen die Lebensqualität verbessert werden kann.

IF: Mit Ihrem Tisch „Ripple“ wurden Sie 2014 nominiert für das Design des Jahres, Sie sind Jungdesigner des Jahres 2014, 2013 Elle Decoration Designer of the Year (shortlisted) usw. usw. – Wow! Gibt es eine Auszeichnung, die Sie besonders gefreut hat?
Hubert: Preise sind großartig – damit kann man die eigene Denkweise vermitteln. Wir sind gerne bei allen dabei.

IF: Woran arbeiten Sie derzeit und was dürfen wir von Ihnen erwarten?
Hubert: Werkzeuge, die soziale Verantwortung fördern – Apps, Wearables, einheimische Waren, Werkzeuge für Wohltätigkeitsorganisationen – es ist eine spannende Zeit für uns!

IF: Herr Hubert, ganz herzlichen Dank für dieses Interview!

Das Interview ist in der InteriorFashion-Ausgabe 2|2015 erschienen.

 

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