Transformative Paper, Florian Hundt; Institut für Materialdesign IMD, HfG Offenbach
Transformative Paper, Florian Hundt; Institut für Materialdesign IMD, HfG Offenbach

Material, Experiment und Gestaltung

Das materialbasierte Entwerfen steht im Fokus des Instituts für Materialdesign IMD an der Kunsthochschule HfG Offenbach. Mit einem hohen Maß an Freiheit werden am IMD die unterschiedlichen Beschaffenheiten, Möglichkeiten und auch Unmöglichkeiten von Materialien ausgelotet. Der besondere Reiz liegt neben den analogen und digitalen Prozessen oft in disziplin- und werkstoffübergreifenden Kombinationen und im experimentellen Transfer von gewohnten in ungewohnte Zusammenhänge. In einem sehr offenen und experimentellen methodischen Verständnis, werden am IMD Gestaltung und Materialisierung sowie Lehre und Forschung miteinander verknüpft. Gestaltung als Querschnittsdisziplin schließt heute unmittelbar an Bereiche wie Natur-, Material- oder Ingenieurwissenschaften an.

Das in einem Geflecht von unterschiedlichen Eigenschaften „aufgeladene“ oder auch „informierte“ Material übernimmt dabei zunehmend die Rolle des eigentlichen Objekts. Materialien verfügen zunehmend über „lebendig“ anmutende Eigenschaften. Andererseits werden natürliche Materialien mit neuen synthetischen Materialien und digitalen Schnittstellen verknüpft und so in die artifizielle Welt transformiert. Viele der im Folgenden aufgezeigten maßstabsübergreifenden Arbeiten bewegen sich an den Schnittstellen Mensch und Material oder auch Natur und Artefakt. Entstehende Mischformen lassen keine klare Trennung oder auch Klassifizierung mehr zu. Teils unterschiedliche und oft auch widersprüchliche Materialitäten und Funktionalitäten koexistieren in einem fröhlichen Neben- und Miteinander. Materialien mit sensitiven, smarten oder graduell variierenden Eigenschaften führen zu neuen und komplexen Gestaltungskonzeptionen. So ist es neben dem Gestalten mit Material auch ein Gestalten von Material und in der konsequenten Fortführung ein „Gestalten mit gestalteten Materialien“. Dadurch werden neue Gestaltungs- und Wissenszusammenhänge aktiv provoziert. Bei aller Digitalisierung wird das Material selbst wieder spür- und erfahrbar. Die sich dabei einstellende Logik des reanalogisierten Materials hat häufig nichts mehr mit inhärenten oder gar „authentischen“ Eigenschaften eines Materials zu tun. Material wird zum Träger unterschiedlicher Informationen und tritt mit seiner Umwelt in einen Dialog. Material wird informativ oder gar intuitiv und verfügt so über neue Bedeutungsfunktionen.

www.hfg-offenbach.de
www.materialdesign-imd.com

 

 

Dr. Markus Holzbach ist seit 2009 Professor für Visualisierung und Materialisierung an der Kunsthochschule HfG Offenbach. Dort leitet der ausgebildete Architekt sowie Werkstoff- und Verfahrensingenieur das Institut für Materialdesign IMD. Als Gründer und Partner von Spacekitchen Frankfurt ist Markus Holzbach im Bereich Architektur, Design und Materialisierung tätig.

Natur – Artefakt // Engelstrompete

Die filigrane Leichtbaukonstruktion besteht aus jungen Grünhölzern, die auf Biegung beansprucht werden. Die unterschiedlichen Grünhölzer wurden zu Bündeln verdrillt. Die Blattrippen bilden gemeinsam mit der Hüllstruktur einen transluzenten Raum. Die sich im Wind bewegende Aluminiummembran dient als Projektionsfläche. Eine Klanginstallation des Elektromusikers Dominik Eulberg spielt verfremdete Geräusche der Umgebung in die Installation ein. Eine auf die Klansituation abgestimmte Videoprojektion interagiert, über Form- und Farbverläufe mit den sich im Wind bewegenden und metallisch schimmernden Blütenständen der Engelstrompete.
Engelstrompete; Institut für Materialdesign IMD, HfG Offenbach, Foto: Emily Wabitsch


Digitale Fertigung // 3D-Ceramics

Die prozessuale Verschneidung von Natur und Artefakt findet meist auf einer funktionalen und formalen Ebene statt. Die entstandenen 3D-Ceramic-Arbeiten wurden hinsichtlich ihres Materialeinsatzes optimiert.  Vor dem Hintergrund knapper werdender Ressourcen gewinnt der Leichtbau immer stärker an Bedeutung. Neben Gradientengefügen und denkbaren Materialwechseln, wurde auch an der Verschneidung von natürlichen Formen und biologisch inspirierten Strukturen mit den keramischen Materialien gearbeitet. Die erzeugten Strukturen wurden mit Hilfe additiver Fertigungsverfahren, wie dem multimaterialen oder silikatischen 3D-Druckprozess umgesetzt. Der Forschungsaspekt – ohne Unterscheidung von Technologie und Ästhetik – steht im Fokus dieser Arbeiten. Die Form eines Produkts ist das Ergebnis eines erzeugenden Prozesses.
3D-Ceramic, Markus Mau; Institut für Materialdesign IMD, HfG Offenbach

Morphing Materials // Magnetic Fabrics

Die Arbeit Magnetic Fabric lotet die in einem Textil vorhandenen Eigenschaften wie Beweglichkeit und Flexibilität aus. Integrierte, magnetisch wirksame Komponenten werden nach unterschiedlichen Parametern und in Abhängigkeit zur Anordnung der Elemente oder etwa Beschaffenheit des Textils eingesetzt und versetzen die textile Oberfläche in Bewegung. Das Zusammenspiel von aktiven und passiven Einheiten, die im Innern der textilen Hüllstruktur und der Oberfläche methodisch arrangiert sind, bewirken eine mechanische Anlagerung der Bestandteile und somit eine dynamische Umlagerung des gesamten Mediums. Das poetische Eigenleben des beweglichen Textils veranschaulicht den Zusammenhang von Anziehung und Abstoßung sowie Materialisierung und Gestaltung.
Magnetic Fabric, Lilian Dedio; Institut für Materialdesign IMD, HfG Offenbach

Morphing Materials // Magnetic Fabrics

Magnetic Fabrics
Dipl. Des. Lilian Dedio
Prof. Dr. Markus Holzbach
Institute for Materialdesign IMD
HfG Offenbach University of Art and Design
www.materialdesign-imd.com
In cooperation with BMW

Adaption und Interaktion // Transformative Paper

In digitale Modelle werden häufig Materialparameter aufgenommen. Diese Herangehensweise kennt man aus den technischen Disziplinen und Ingenieurwissenschaften. Heute erfahren die Materialien vielfach selbst eine digitale Programmierung. Quellverhalten und die anisotrope Beschaffenheit von maschinell hergestelltem Papier sind - wie auch bei den Holzwerkstoffen - häufig unerwünscht. Kombiniert man diese Materialien jedoch mit anderen Materialien, können neue Einsatzgebiete und Kontexte erschlossen werden. Die adaptive Struktur reagiert kontinuierlich auf einwirkende Umwelteinflüsse. In Abhängigkeit zur Luftfeuchtigkeit transformiert die Papierstruktur in unterschiedliche Zustände – dies subtil oder auch sehr deutlich. Bei großer Feuchte schließt sich die komplette Papierhaut und beginnt intrinsisch zu leuchten. Die Reaktion ist reversibel - bei großer Trockenheit stellen sich die Einzelsegmente wieder in ihren Ausgangszustand auf.
Transformative Paper, Florian Hundt ; Institut für Materialdesign IMD, HfG Offenbach

Material- und Eigenschaftssubstitution // Ceramicwood

Das traditionelle Denkmuster des „materialauthentischen Entwerfens“ wird durch die Verknüpfung von Digitalisierung und Materialisierung überwunden. Durch einen thermischen Prozess, bzw. zweistufigen Brand wurden evolutionär entstandene Holzstrukturen in biomorphe Keramiken umgewandelt. Die entstandenen Keramiken zeigen die Gestalt des Holzes und verfügen doch über komplett keramische Eigenschaften. Das umgewandelte Holz ist kalt, sehr hart und spröde. Die Untersuchung der SiC-Keramik am Rasterelektronenmikroskop zeigt eine Keramik mit völlig intakter anisotroper Holzstruktur, d.h. es ist eine Holzstruktur mit höherer Festigkeit entstanden. Die Überlagerung der keramischen Eigenschaften mit den strukturellen Gegebenheiten der anisotropen Holzstruktur eröffnet neue funktionale Möglichkeiten.
CeramicWood; Institut für Materialdesign IMD, HfG Offenbach

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