Das neue Wohlbefinden

Am 28. März diesen Jahres eröffnete die Südtiroler Volksbank nach fast genau zwei Jahren Bauzeit ihren Hauptsitz in Bozen. Vorausgegangen war 2008 ein Architekturwettbewerb, den der Bozener Architekt Christian Rübbert für sich entscheiden konnte. Für die Innenarchitektur zeichnet die Arbeitsgemeinschaft bergundtal-Innocad verantwortlich. Umgesetzt wurde dort das Konzept von „new work“ und damit ein vollkommen neues Bank-Gefühl geschaffen.

Luft. Freiraum. Kommunikation. Mit diesen Worten fasst Präsident Otmar Michaeler das Konzept des Volksbank-Hauptsitzes in Bozen zusammen. In der Tat herrscht in der Bank eine ganz eigene Atmosphäre, die man nicht unbedingt einem Kreditinstitut zuordnen würde. Das beginnt bereits im Erdgeschoss, in dem neben einer Volksbank-Filiale, einem Konferenzsaal für 130 Gäste, einer Kita, in der Kleinkinder betreut werden, auch eine Cafeteria für Mitarbeiter und Kunden zu finden ist. In den drei Obergeschossen befinden sich schließlich die Büros der 300 Mitarbeiter. Wobei – das ist nicht richtig ausgedrückt, denn ein eigenes Büro hat hier niemand. Noch nicht einmal Präsident Michaeler und Generaldirektor Johannes Schneebacher. Das Raumkonzept „space4dialogue“ will vielmehr die physischen, virtuellen und sozialen Arbeitswelten harmonisieren, um so die Kommunikation und Interaktion unter den Mitarbeitern zu unterstützen. „Als moderner Dienstleister haben wir den Anspruch, Arbeitsplätze der Zukunft zu gestalten“, erklärt Schneebacher. „Wir haben zusammen mit den Designern überlegt, wie Arbeit in den internen Abteilungen der Bank in Zukunft ablaufen wird und wie wir das Arbeitsumfeld gestalten wollen. Das Ergebnis ist ein offenes Raumkonzept, das von einer besonderen Arbeitsatmosphäre geprägt ist.“ Beim Rundgang fällt eines sofort auf: die angenehm ruhige Atmosphäre. Obwohl an vielen Arbeitsplätzen telefoniert und sich an anderen Stellen besprochen wird. Zudem machen die Mitarbeiter einen zufriedenen Eindruck. Dabei ergab eine Umfrage vor Baubeginn, dass sich die meisten Mitarbeiter ein eigenes Büro wünschen. Und dann wird ein Open-Space-Konzept umgesetzt! Kein Wunder also, dass am Anfang Skepsis unter den Angestellten herrschte. Allerdings waren sie aber zu jeder Zeit durch eine 20-köpfige Interessenvertretung in den Planungsprozess eingebunden und in der Zwischenzeit haben sie sich auf das Gebäude eingestimmt. Die Personalchefin Tatiana Coviello beobachtet seither, dass neue Prozesse in Gang kommen, sich die Aktivitäten und die Kommunikation beschleunigen, wovon die Kunden profitieren und schneller zu einer Antwort kommen. Der Wegfall der Wände ist zudem ein Gewinn für die Arbeitsqualität und die Führungskultur: „Weniger Kontrolle und mehr Orientierung auf die Ergebnisse. Mehr Vertrauen und Eigenverantwortung“, resümiert Coviello. Besonderen Wert hat man bei der Konzeption auch auf Raum für Besprechungen gelegt. So gibt es fünf größere Räume, die sich im Interior Design an der norditalienischen Landschaft mit ihren Seen, Wäldern und Bergen orientieren. Zudem stehen auf jedem Stockwerk mehrere Besprechungsnischen „Unter vier Augen“ zur Verfügung, die rege genutzt werden. Ebenso die Teeküche und Lounges für Gespräche und Teambesprechungen. Dem Wunsch der Mitarbeiter nach Relax-Zonen und Tee-Küchen wurde ebenfalls Rechnung getragen und auf jeder Etage ein Regenerationsraum installiert. Zudem gibt es eine Bibliothek und einen Aktivraum. Also bleiben trotz des Open-Space-Konzeptes den Mitarbeitern genug Rückzugsmöglichkeiten. Die Frage, ob mit dem Umbau eine völlig neue Arbeitswelt und Arbeitsgefühl entstanden ist, beantwortet Michaeler mit einem ganz klaren Ja: „Ich vergleiche es mit einem Wohnzimmer, ein Gemeinschaftsraum mit verschiedenen Ecken für die individuellen Bedürfnisse. Ein überaus innovatives Konzept, das sich durchsetzen wird.“ Durchgesetzt hat sich das Konzept bereits bei den Jurys des „Best Architects Award“ und des „Iconic Award“. In der Kategorie Büro- und Verwaltungsbauten wurde ihm das Label „best architects 16“ verliehen. In den Kategorien Corporate Architecture und Best Interior Design konnte der Hauptsitz der Südtiroler Volksbank den Iconic Award des Rat für Formgebung entgegen nehmen.

Daten und Fakten Architekt: Christian Rübbert, Bozen Innenarchitektur: Thomas Duregger von bergundtal, Bruneck, und Martin Lesjak von Innocad, Graz Kunst am Bau: Esther Stocker, Wien

Nettoinvestitionen: 21. Mio. Euro
Gesamtkubator: 70.000 cbm
unterirdisch: 28.000 cbm
oberirdisch: 42.000 cbm
Oberfläche pro Stock:c2.000 qm
Glasfläche: 2.300 qm
Fassade: 2.400 qm
Parkplätze Tiefgarage: 300
Mitarbeiter im Gebäude: 306

Dieser Artikel ist in der InteriorFashion-Ausgabe 5 |2015 erschienen.

www.hauptsitz.volksbank.it

 

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