Todd Bracher gilt als führende Persönlichkeit der amerikanischen Designszene. Foto: Seth Smoot

Das transatlantische Haus

„Das Haus“ ist das herausragende Design-Event der internationalen Einrichtungsmesse imm cologne in Köln. In einer Wohnhaus-Simulation aus Architektur, Interior Design und Möblierung wird jedes Jahr einem jungen, einflussreichen Gestalter die Möglichkeit für ein persönliches Statement zum zeitgenössischen Wohnen gegeben. Als Guest of Honour für die sechste Ausgabe von „Das Haus“ auf der imm cologne 2017 wurde der US-amerikanische Designer Todd Bracher nominiert. Warum wohnen wir so und nicht anders? Warum sind unsere Wohnungen eckig? Wie viel Wand brauchen wir, um uns wohl zu fühlen, und warum bevorzugen wir bestimmte Möbel? Welche Prioritäten setzen wir in Bezug auf Funktionalität, Ästhetik oder Traditionen? Welche Farben und Materialien geben uns ein gutes Gefühl, und welche sind nachhaltig? Welche Rolle spielt die Wohnung heute, morgen, übermorgen? Fragen wie diese werden gerne an Architekten, Designer und Soziologen gerichtet. Doch nur ganz selten finden sich Projekte, in denen Gestalter etwas wirklich Neues in der Praxis ausprobieren können – jenseits von den üblichen konzeptionellen Installationen, die meist mehr Kunstwerk als Wohnidee sind. Denn während Veranstalter von Messen und Ausstellungen eher das Ausgefallene von ihnen erwarten, setzen ihnen im Tagesgeschäft Bauherren, ästhetische Konventionen und sehr reale Anforderungen bezüglich Normen, Rentabilität und Witterungsbedingungen enge Rahmenbedingungen. „Das Haus“ ist eine Plattform für Wohnexperimente, die sich genau in der Mitte bewegt: zwischen Installation und „echtem“ Leben.

Das Wohnen in seine Elemente zerlegen und neu zusammenfügen

Für Designer Todd Bracher ist „Das Haus“ eine Gelegenheit, die tradierte Vorstellung vom zeitgenössischen Wohnen zu hinterfragen. Denn es sind genau solche Fragen, die ihn bei der Entwicklung seines enorm vielseitigen Arbeitsspektrums vom Produktdesign über die Markenerneuerung bis zum strategischen Design umtreiben. Das Design-Event der imm cologne bietet ihm nun die ideale Plattform für Experimente ohne kommerziellen Beschränkungen. „Das Haus 2017“ dürfte für die Besucher der internationalen Einrichtungsmesse daher spannende Einblicke über die enge Verbindung von Wohnen und Leben bereithalten.

„Das Zuhause stellt eine elementare Synthese aus Bedürfnissen und Funktionen dar, ganz darauf abgestimmt, seine Bewohner in ihrem Alltagsleben und in ihrer Entwicklung zu unterstützen“, versteht Bracher das Thema von „Das Haus“. In dem ganzheitlichen Projekt, das sowohl Architektur als auch Interior und Produkt-Design umfasst, verfolgt er konsequent seinen klassischen Gestaltungsansatz: Komplexität auf ihre einfachsten Elemente und Funktionen zu reduzieren. „Warum wählen wir einen bestimmten Lebensstil?“, fragt der heute 41-Jährige, und kündigt an: „Wir werden die Vorstellung davon, was zeitgenössisches Wohnen ausmacht, infrage stellen, indem wir die Grundlagen überdenken, die das Heim definieren, und uns ansehen, ob sie den Anforderungen der heutigen Welt entsprechend ausgelegt sind.“

Brücke zwischen USA und Europa

 „Nach Neri&Hu aus China und dem ‚Heimspiel‘ mit dem deutschen Designer Sebastian Herkner machen wir mit Todd Bracher wieder einen sehr weiten Schritt, diesmal in Richtung Westen“, kommentiert der Creative Director der imm cologne Dick Spierenburg die Wahl von Todd Bracher als Guest of Honour. „Erstaunlicherweise kehren wir damit auch zu unserer eigenen Designtradition zurück, die Todd ja aus erster Hand kennt. Er zeigt das Essentielle, ohne dabei auf eine eigenständige, ästhetische Formensprache zu verzichten. Ich erwarte von ihm ein ‚Haus‘, das sowohl aktuell als auch zeitlos ist und eine Brücke schlägt zwischen den USA und Europa.“

 

Todd Bracher – Analyst, Minimalist, Übersetzer

Todd Bracher gilt als eine der führenden Persönlichkeiten der amerikanischen Designszene. 1974 als Sohn eines Tischlers in New York geboren, absolvierte er hier sein Designstudium am renommierten Pratt Institute. Zwischen seinem Abschluss und der Gründung eines eigenen Studios liegt eine wohl einmalige Reise durch die unterschiedlichen Kulturen und Designtraditionen der „Alten Welt“: An der Dänischen Designschule in Kopenhagen absolvierte er einen Masterstudiengang im Fachbereich Design; über Stationen in Mailand Paris sowie bei Tom Dixon in London war er unter anderem als Design-Professor am L’ESAD in Reims und Art Director der dänischen Luxusmarke Georg Jensen tätig, bevor er sich 2007 wieder in New York niederließ und die Entwicklung seines eigenen Studios in Brooklyn vorantrieb. Von hier aus arbeitet er mit führenden Designmarken in aller Welt zusammen, unter anderem mit Cappellini, Fritz Hansen, Herman Miller, Humanscale, Issey Miyake, Swarovski, Zanotta oder 3M.

www.toddbracher.net

www.immcologne.de

 

 

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